Magazin: Das erste Mal - Weihnachten
Wenn wir frisch verliebt sind, ist alles neu und aufregend. Vor allem deshalb, weil es so viele Dinge gibt, die wir zum allerersten Mal gemeinsam erleben. Und aus diesem Grund sollte alles natürlich so großartig wie möglich sein.
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Das erste gemeinsame Fest der Liebe. Eine ganz besondere Angelegenheit. Das fand auch Carolin (34), die zum ersten Mal mit Anatol (36) feiern wollte: „Ich hatte die letzten Jahre ohne Partner gefeiert und habe mich auf dieses Fest deshalb umso mehr gefreut.“ Sie freute sich auf Harmonie und kuschelige Zweisamkeit unterm Mistelzweig. Auch Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner.de bestätigt: „Viele Dinge, die zum ersten Mal mit einem Partner erlebt werden, haben eine besondere Bedeutung. Das Weihnachtsfest hat dabei eine noch exponiertere Stellung und ist deshalb emotional sehr aufgeladen.“
Den gemeinsamen Nenner finden
Carolin war enttäuscht als sie merkte, dass Anatol ihre großen Erwartungen nicht teilen mochte. „Mir war Weihnachten noch nie besonders wichtig“, sagt er. Er fand es zunächst übertrieben, dass Carolin auf einem großen Baum in der gerade erst bezogenen gemeinsamen Wohnung bestand und ihre über Jahre hinweg liebevoll gesammelte Weihnachtsdeko überall drapieren wollte. „Das war mir einfach zuviel.“
„Das erste Weihnachtsfest fordert Paare heraus“, weiß Lisa Fischbach. „Die Partner müssen ihre Wünsche an die Gestaltung des Festes auf einen gemeinsamen Nenner bringen.“ Und das ist besonders an Weihnachten schwer, denn die hohen Erwartungen an die Festtage erzeugen Druck, dass alles ganz besonders harmonisch läuft: Das Festmahl soll hervorragend gelingen, die Stimmung ausgelassen sein und die Geschenke möglichst gut ankommen. Gute Chancen, dass bei so hohen Ansprüchen der Absturz umso schneller folgt. Carolin schmollte tagelang, weil Anatol auf stur schaltete. Das Fest der Liebe drohte zum Desaster zu werden.
Weniger ist mehr. Nehmen Sie es sportlich, wenn Ihr Partner keine Lust auf Harmonie-Terror hat oder beim Sieben-Gänge-Menü nicht mit kochen mag. Lisa Fischbach: „Hilfreich ist es, das Weihnachtsfest etwas gelassener zu sehen. Machen Sie sich deutlich, dass der 24. Dezember auch nur ein Tag von 365 Tagen im Jahr ist.“ Überfrachten Sie diese Zeit also nicht mit Ihren Erwartungen. Besser: Sprechen Sie offen über Ihre Pläne und Wünsche und klären Sie die Grundsatzfragen, an welchen Tagen wie gefeiert werden soll. „Akzeptieren Sie, wenn in der Familie Ihres Partners womöglich feste Rituale herrschen, die nicht einfach durch eine neue Partnerschaft über den Haufen geworden werden können“, rät Lisa Fischbach.
Geben und Nehmen auch an Weihnachten
„Hören Sie genau hin, was dem Partner wichtig ist, warum der Tannenbaum so üppig geschmückt werden soll oder der Kirchgang ein Muss ist.“ Dabei erfahren Sie nämlich oft auch Interessantes über den Partner und das wiederum schafft Verständnis und Nähe. Handeln Sie Kompromisse aus, mit denen Sie beide leben können. Aber geben Sie nicht widerwillig nach, um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, denn das geht schnell nach hinten los und wird das Fest tatsächlich verderben. „Eine Beziehung lebt vom Geben und Nehmen“, so Lisa Fischbach. „Ist das Maß ausgeglichen, stabilisiert es die Beziehung. Wer in einem Punkt nachgibt, kann anderweitig Gegenleistungen aushandeln.“ Ein unliebsamer Besuch bei den Eltern gegen einen Besuch mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt.
Auch beim Schenken ist Sensibilität und gleichzeitig Offenheit angesagt. Was, wenn das Geschenk total daneben ist? Statt Freude zu heucheln, sollten Sie taktvoll, aber ehrlich sein, rät Lisa Fischbach. Sonst lassen Sie womöglich den Partner im Trugschluss, Ihren Geschmack getroffen zu haben. Und Sie werden weiterhin ähnliche Scheußlichkeiten bekommen. Doch schließlich kann er ja nicht all Ihre Wünsche und Vorlieben schon kennen.
Carolin und Anatol haben sich letztendlich doch noch einigen können. Carolin installierte eine abgespeckte Version ihrer Weihnachtsdeko, die Anatol dann schließlich doch ganz hübsch fand. Auch das opulente Essen im großen Familienkreis gefiel ihm viel besser als erwartet. Den zweiten Weihnachtstag verbringen die beiden nun schon zum zweiten Mal ganz entspannt zu zweit. „Im nächsten Jahr können wir dann schon sagen, dass es Tradition ist“, lacht Anatol. In diesem Jahr geht er übrigens höchstselbst den Baum kaufen.
Annette Riestenpatt, Redaktion