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Kindermund isst gern gesund

Bild von Joerg Vieweg
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Das Kinderhaus „Schmetterling“ in Chemnitz Helbersdorf: 210 Kids vom Kleinstkind bis zum Hortkind, das Haus frisch saniert vom Keller bis zum Dach, größte Einrichtung der Chemnitzer Arbeiterwohlfahrt und wichtiger Integrationsstandort im Chemnitzer Heckert- Gebiet.

Viele Gründe für Dr. Eva-Maria Stange, Staatsministerin und Bildungsexpertin, sich gemeinsam mit den LandtagskandidatInnen der Chemnitzer SPD Hanka Kliese, Jacqueline Drechsler, Ulf Kallscheidt und Jörg Vieweg vor Ort zu informieren.

„Wir wünschen uns mehr Zeit für die individuelle Betreuung unserer Kinder“, dies betonte Katrin Wenzel, Einrichtungsleiterin. Viel Zeit nahmen sich darum auch die Ministerin und die zukünftigen LandespolitikerInnen.

„Vor der Wende war ich Mütterberaterin. Wir praktizierten Erziehung nach Plan“, brachte Katrin Wenzel die Sache auf den Punkt. „Heute bin ich Partnerin der Eltern. Ihre Wünsche und die Wünsche der Kinder stehen im Vordergrund.“ so die Einrichtungsleiterin weiter. Überholte pädagogische Konzepte aus der Vergangenheit mussten überwunden werden, ohne auf die Erfahrungen der letzten Jahre zu verzichten. Sich den Herausforderungen an eine zeitgemäße Bildung zu stellen, ist für sie und das Team des Kinderhauses selbstverständlich gewesen.

Die ehemalige Leiterin Ursula Steinert kommentierte die Ausführungen Ihrer Nachfolgerin augenzwinkernd mit den Worten: „Ich bin schon ein bisschen neidisch wenn ich die Einrichtung jetzt sehe.“ War sie es doch, die die Neuausrichtung des Hauses seit 1990 verantwortet hat. Heute ist sie im Vorstand der Arbeiterwohlfahrt aktiv und hilft mit ihren Erfahrungen, dass es gut weitergeht.

In wieweit heute politische Entscheidungen in die Erziehungsaufgaben eingreifen sollen? Diese Frage stellte Ulf Kallscheidt, SPD-Landtagskandidat und Familienvater.

Ursula Steinert und Karin Wenzel waren sich in der Beantwortung dieser Frage einig. Der bereits angesprochene Wunsch nach mehr Zeit für individuelle Betreuung würde viele Probleme lösen.

Für die integrativen Herausforderungen der Kita Schmetterling, die auch von Kindern mit besonderen Förderbedarfen besucht wird, wäre eine dauerhafte logopädische Betreuung in den Gruppen ideal. So könnte vermieden werden, dass Kinder für logopädischen Unterricht von ihren Gruppen und damit verbundenen festen Abläufen separiert werden.

Jacqueline Drechsler, langjährige SPD-Stadträtin und Landtagskandidatin, schilderte ihre Erfahrungen aus vielen Haushaltsdebatten im Rathaus. Oft haben Investitionen in Bauprojekte Vorrang vor Sozialausgaben. Im Haushalt zuerst im Kita- Bereich nach Einsparungen zu suchen wird mit ihr nicht gehen. Sie sprach sich dafür aus, zukünftig mehr in Köpfe als in Beton zu investieren.

Landtagskandidatin Hanka Kliese machte deutlich, dass die SPD in Sachsen die prekäre Personalsituation in den Kitas erkannt hat. Das spiegelt sich im aktuellen Regierungsprogramm wider, worin eine Herabsenkung des Betreuungsschlüssels festgeschrieben ist. „Wichtig ist, dass wir Kinder als Kinder betrachten und nicht als Zeitbudgets“ sagt sie, denn durch die Berechnung der Kinder nach Anwesenheitsstunden entsteht eine Überlastung in den Kernzeiten.

Anderswo ist ein niedrigerer Betreuungsschlüssel schon lange Wirklichkeit. Anke Ludwig, Kita- Fachberaterin der AWO Chemnitz, hat sich in Europa umgeschaut. Bei ihren Besuchen in Dänemark und zuletzt in Italien erlebte sie, dass Betreuungsschlüssel von 1: 5 bei unter Dreijährigen bereits heute Alltag sind. Die „Scuola dell´Infanzia“ (vorschulische Erziehung in Italien) soll nach ihrem Wunsch auf Deutschland beispielgebend wirken.

„Im Nachbarland wird unser Berufsstand nicht als Kindergärtnerin in der Puddingschule abgestempelt. In Italien gelten wir als hochqualifizierte Pädagogen
und Lehrer. In der Gesellschaft anerkannt und geschätzt“, schwärmte die studierte Sozialpädagogin. „Als ich in Rezzo, Italien aus dem Zug stieg, begegnete mir an vielen Stellen ein kinderfreundlicher Geist. Fantasievoll gestaltete Einkaufsbereiche, genauso wie Kinderbilder im Fußgängertunnel.“

Ihr Konzept für Chemnitz heißt CHEmida – Konzept zur Dokumentation und Zusammenarbeit Chemnitzer Kindertagesstätten im Kontext zur „Stadt der Moderne“.
Es soll dazu beitragen, die Wertschätzung für Kinder in der Gesellschaft zu stärken.
„Kein Kind vergessen, alle mitnehmen“, so Anke Ludwig abschließend.

Der Höhepunkt dieses Vormittags war gleichzeitig auch ein Genuss. Uwe Schierle, Chefkoch des Hauses servierte der Ministerin persönlich seine Kreation aus Fischragout mit Reis auf Salatbett . Fleischarm, viel Obst und Gemüse, frisch auf den Tisch. Kindermund isst gern gesund – so lautet das Motto der Küchen in den Chemnitzer AWO Kitas seit etwa einem Jahr. Erstaunlicherweise ist die vollwertige Kost nicht teurer als das bisherige Essen: „Durch die geringeren Fleischmengen gleicht sich das aus“ bestätigt Fachmann Uwe Schierle.

Begeistert vom Team des Kinderhauses zeigte sich Dr. Eva Maria Stange. Die Zukunft sieht sie in einer noch engeren Zusammenarbeit mit den Einrichtungen. In ihrem Schlusswort beschrieb sie gleichzeitig ihre Vorstellungen für die Zukunft: „Es muss uns gelingen, den Bildungs- und den Sozialbereich zusammenzubringen. Mein Wunsch sind Bachelor – und Masterstudiengänge, Aufstiegschancen von der Erzieherin über die Leiterin bis hin zur Forschung“.

Zufrieden zeigte sich auch Jörg Vieweg, stellvertretender Vorsitzender der Chemnitzer SPD. „Politik ist für die Menschen da. Nicht vom Schreibtisch aus werden Gesetze vorbereitet, sondern gemeinsam mit den Akteuren gestaltet. Am Besten vor Ort. Ich freue mich darum besonders, das wir heute hier sein konnten“, sagte der Landtagskandidat, der das Treffen in seinem Heimatwahlkreis angeregt hatte.

Jörg Vieweg
stlv. Vorsitzender SPD Chemnitz
www.joerg-vieweg.de

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