Mein Beitrag zum Buch "Unsere Stimmen für den Hund"
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Ist der Cavalier King Charles Spaniel noch zu retten?
Von Kirsten Schiemann
Bei dem Cavalier King Charles Spaniel handelt es sich um einen Kleinhund, der der FCI Klasse 9, den Begleithunden zugeordnet ist. Den Cavalier gibt es schon sehr lange, seinen Ursprung hatte er in England, seine Blütezeit hatte er am Hof des englischen Königs Charles des Zweiten. Aus dieser Zeit stammt noch das Recht, dass der Cavalier ungehinderten Zutritt zum Parlament hat, was bis heute nicht widerrufen wurde und demnach noch immer gelten müsste. Aber ausprobiert hat es auch noch keiner.
Es gibt bei den Cavalieren vier Farbschläge, die in zwei Gruppen unterteilt sind:
1. Whole Colour: Ruby (rot) und Black and Tan (Schwarz/Lohfarben) sowie
2. Party Colour: Blenheim (weiß/rot) und Tricolor (weiß/scharz/rot),
die überwiegend nur untereinander in ihrer Gruppe verpaart werden, um
Fehlfarben zu vermeiden.
Der Cavalier gilt als Begleithund, da ihm jede Aggression fehlt, er hat keinen Jagdoder
Hütetrieb und ist somit ein idealer Familienhund, der aber auch gerne von
älteren Menschen gehalten wird. Er ist stark auf seinen Menschen bezogen und
sucht sehr dessen Aufmerksamkeit. Dabei ist ihm sicher auch sein "niedliches"
Aussehen förderlich, das durch verstärkte Zucht einer runden Kopfform noch
mehr unterstützt wird. Damit wird er einer anderen Rasse wieder ähnlicher, mit
der er tatsächlich verwandt ist, mit der er eine gemeinsame Geschichte hat und
von der er sich dennoch deutlich unterscheidet: dem King Charles Spaniel.
King Charles Spaniel und Cavalier King Charles Spaniel
Heute kennen wir zwei verschiedene Hunderassen, die einen ähnlichen Namen
haben und oft miteinander verwechselt werden: den Cavalier King Charles Spaniel
und den King Charles Spaniel. Sie haben tatsächlich einen gemeinsamen
Vorfahren, einen Zwergspaniel, der im Laufe seiner Entwicklung einige Veränderungen
durchlief, die dann zur Ausprägung der beiden Rassen führte.
Der Cavalier King Charles Spaniel hat einen flachen Schädel und eine längere
Nase, der King Charles Spaniel eine kurze Nase, einen runden Kopf und ist etwas
kleiner.
Zwerghunde allgemein waren schon sehr früh und vor allem an dem englischen
Königshof sehr beliebt, so wurden sie bereits vom Leibarzt der Königin Elisabeth I.
(1533-1603) beschrieben. Sie wurden zum Beispiel Damen, die von Verdauungsproblemen
geplagt waren, gerne als Wärmekissen auf den Bauch gelegt, wo sie
durch ihre Wärme wohltuend wirkten. Ansonsten hatten sie reine repräsentative
Aufgaben, man zeigte sich gerne mit dem schmückenden Hund, der dann
eigentlich keine andere Aufgabe mehr hatte. Dabei war die Rasseeinteilung noch
nicht so klar wie heute, es genügte bereits, wenn der Hund sehr klein war.
Dennoch zeichneten sich langsam Zuchtrichtungen ab.
Aus diesen kleinen Hunden hat sich dann ein Zwergspaniel herausgebildet, der
besonders von den englischen Königen Charles I. (1600-1649) und Charles II.
(1670-1685) gefördert wurde, die sich selber als Züchter betätigten.
Dieser Zwergspaniel wurde in England bis ins 19. Jahrhundert zur Stöberjagd
eingesetzt. Er wurde King Charles Spaniel genannt und ähnelte unserem heutigen
Cavalier King Charles Spaniel.
Im Laufe der Zeit setzte eine Entwicklung für die
King Charles Spaniel ein, in der sich das äußere Erscheinungsbild radikal
veränderte. Rundköpfige und kurznasige Hunde kamen in Mode und nach und
nach setzte sich auch bei dem King Charles Spaniel die kurznasige und
rundköpfige Form durch.
Das gefiel nicht allen, aber der Trend ließ sich nicht mehr aufhalten und führte
schließlich zum Verschwinden des ursprünglichen King Charles Spaniel mit
längerer Schnauze und flachem Kopf.
Diese neuen Merkmale des King Charles Spaniel, wie wir ihn heute auch noch
kennen, wurden vom Toy Spaniel Club 1886 anerkannt.
Dennoch gab es einige Liebhaber der Zwergspaniel des alten Typs, die die neue
Zuchtrichtung bedauerten und sich den alten Typ mit der langen Nase
zurückwünschten. Doch zunächst blieb es beim Wunsch, denn niemand wollte sich
der "Rekonstruktion" ernsthaft annehmen.
Es war der Amerikaner Roswell Eldrige, der nach dem Ersten Weltkrieg England
auf der Suche nach dem alten Zwergspaniel bereiste. Züchter sagten ihm, dass in
den Würfen der King Charles Spaniel immer wieder Welpen mit langen Nasen
fallen würden, die aber, weil nicht der Rasse entsprechend, beseitigt würden.
Eldrige setzte nun Preise von 25 Pfund (damals im Jahre 1926, war das eine hohe
Summe!) während fünf Jahren jeweils anlässlich der Cruft's Show aus, die an die
drei besten Zwergspaniel des alten Typs vergeben werden sollten. Nun, da es Geld
zu gewinnen gab, begannen sich einige Züchter auf den alten Typ zu besinnen, und
die Rekonstruktion des ehemaligen Zwergspaniels nahm Formen an.
1928 Gründung des Clubs zur Förderung des "Cavalier King Charles
Spaniel"
1928 wurde in England ein Club zur Förderung des "Cavalier King Charles
Spaniel" - wie man diese Hunde nun nannte - gegründet und Rassenkennzeichnungen
wurden aufgestellt. Die Anerkennung durch den Kennel Club erfolgte
dann im Jahre 1945. Aus dem King Charles Spaniel des alten Typs war also der
Cavalier King Charles Spaniel geworden; der neue Typ des King Charles Spaniel
behielt seinen Namen und sein Aussehen. Die Bezeichnung Zwergspaniel wird für
beide Rassen nur noch als Oberbegriff verwendet.
Heute hat sich die Häufigkeit des Auftretens verändert, der Cavalier ist wieder
wesentlich verbreiteter als der King Charles Spaniel, dennoch wird der Cavalier
dem King Charles Spaniel im Aussehen immer ähnlicher.
Es gab aber auch schon damals (wie auch heute wieder) Stimmen des Bedauerns
über die Entwicklung der Zwergspaniel zum rundköpfigen und kurznasigen Typ.
Lassen wir einen Zeitzeugen sprechen, der bereits 1845 über dessen Aussehen das
sagte, was heute schon fast wieder aktuell zu werden scheint. (Inwieweit das
Gesagte wieder für die Cavalierzucht gilt, sei der Betrachtung des Lesers
anheimgestellt): "Die King Charles Zucht unserer Zeit ist tatsächlich zum
Schlechten verändert worden. Die Schnauze ist fast so kurz und aufgeworfen wie
beim ärgsten Bulldog. Das Auge ist um das Doppelte seines frühen Umfangs erweitert
und hat einen Ausdruck der Stumpfsinnigkeit angenommen, mit welchem der
Charakter des Hundes nur zu sehr übereinstimmt. Doch sind noch der lange
Behang, das seidige Haar und dessen schöne Farbe (geblieben, Anm. d. Verf.), und
für diese entblöden sich die Händler nicht 20, 30 und selbst 50 Pfund Sterling zu
fordern." (Youatt 1845)
Bei dem heutigen Cavalier King Charles Spaniel haben sich zudem folgende
Erkrankungen zu großen Problemen entwickelt, die sich bei den meisten
Cavalieren manifestiert haben.
Die Herzerkrankungen:
Über 90% der Cavaliere sollen von Herzerkrankungen betroffen sein, überwiegend
tritt die Mitralklappeninsuffizienz auf - in unterschiedlichen Schweregraden und
Altersstufen. Die Erkrankung wird durch Abhören (Auskultation) mittels
Stethoskop festgestellt. Das birgt die Möglichkeit von Fehlern, so ist die Beurteilung
dessen, was der Tierarzt hört, unter anderem von dessen Hörvermögen
abhängig, und wenn er etwas hört, von dessen subjektiver Einschätzung und
Erfahrung. Diese einfache Untersuchung ist bei allen Cavaliere betreuenden Vereinen
einmal jährlich Pflicht, objektivere Untersuchungsmethoden - wie der
Herzultraschall - sind nur bei Kör- und Elitezuchten vorgeschrieben. Zur Zucht
dürfen nur Hunde mit dem Grad 0 und Grad 1 eingesetzt werden, alle Hunde ab
Grad 2 werden von der Zucht ausgeschlossen.
Undichte Mitralklappen des Herzens sind, laut Dr. Gerhard Wess, schon bei 10%
der unter einjährigen Cavaliere und 50% der 5-jährigen Cavaliere vorhanden.
Ursache ist hier erwiesenermaßen die Vererbung.
Die Kleinhirnvorfälle:
Hinzu kommen noch die Kleinhirnvorfälle (Arnold Chiari Malformation), auch
diese Erkrankung soll bei über 90% der Cavaliere auftreten.
Chiari Fehlbildungen (CMS) sind strukturelle Defekte im Kleinhirn. Normalerweise
sitzt das Kleinhirn in dem hinteren Schädel über dem Foramen magnum
(eine Trichter - Öffnung zu dem Wirbelkanal). Vereinfachte Erklärung: Wenn sich
das Kleinhirn unterhalb des Foramen magnum befindet, wird es eine Chiari-
Malformation. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen der Größe des Gehirns und
dem Fassungsvermögen des Schädels, wodurch das Kleinhirn und der Hirnstamm
nach unten in Richtung oberer Wirbelkanal gedrückt werden. Der daraus resultierende
Druck auf das Kleinhirn und den Hirnstamm kann Funktionen von
diesen Bereichen beeinflussen und den Strom des Hirnwassers blockieren.
1. Zirkulationsstörung des Liquors (Hirnwasser)
Der Liquor kann von der Hirnkammer nicht ungehindert zum Rückenmark
fließen, weil das Kleinhirn diese Verbindung verschließt. Hirnhäute
können vernarben und es kann auch zu einer Stauung des Liquors in den
Hirnkammern kommen. Das führt zu einem sog. Hydrocephalus oder
auch Wasserkopf genannt.
2. Kompression
Das tiefer gerutschte Kleinhirn drückt aus Platzmangel auf die Nervenbahnen
im Rückenmark. Die ständige Kompression allein kann
gravierende Beschwerden hervorrufen. Auch hier können sich
Verklebungen bilden, die Hirnhautnarben verursachen.
Es gibt verschiedene Typen von Chiari Malformation:
• Typ 0: Hier besteht zwar keine Protrusion (Vorschieben) des Kleinhirns
durch das Foramen magnum, trotzdem kommt es zu Kopfschmerzen und
anderen Symptomen der Chiari Malformation.
• Typ 1: Bei diesem Krankheitsbild kommt es, ähnlich wie beim Menschen,
zu einer Verlagerung kaudoventraler Kleinhirnanteile in das Foramen
magnum. Der kraniospinale Übergang wird durch diese Verlagerungen
eingeengt, was mit einer gestörten Liquorflussdynamik einhergeht. In der
Folge entstehen Veränderungen im Rückenmark, sogenannte
Syringomyelien, die klinische Symptome wie Ataxien und Parästhesien
etc. hervorrufen können.
• Typ 2 Typ II: Hier kommt es zu einer ausgeprägteren Verlagerung des
Kleinhirnwurmes kombiniert mit Kompression und Verlagerung des
Hirnstammes sowie zu einer Verlagerung des vierten Ventrikels mit
Entwicklung eines Hydrocephalus (Wasserkopf).
• Typ 3: Bei dieser selteneren Unterform kommt es zu einer massiven
Verlagerung des Kleinhirns, bei Ausbildung eines knöchernen Defektes.
• Typ 4: Bei dieser seltensten Unterform tritt eine Unterentwicklung
(Hypoplasie) des Kleinhirns auf.
Der Nachweis erfolgt ausschließlich über ein MRT.
Der Sonderfall Syringomyelia (SM)
Bei der Syringomyelia bilden sich Ausstülpungen entlang des Rückenmarks, diese
Ausstülpungen werden auch Syrinx genannt. Diese Syrinx drücken auf die umliegenden
Nervenbahnen, was zu Missempfindungen bis hin zu starken Schmerzen
führen kann. Die Hunde versuchen, dieses Missempfinden durch ständiges Kratzen
im Schulterbereich zu beheben. Zudem zeigen die Cavaliere gerade bei Aufregung
und Stress Schmerzäußerungen und reiben ihren Halsbereich häufiger am
Boden oder an Möbeln.
Die Ursache dieser Erkrankung ist noch nicht 100% erforscht, man streitet sich
derzeit noch, ob hier eine eigenständige Erbkrankheit besteht oder ob es sich um
eine Begleiterkrankung wie bei Arnold Chiari oder anderen anatomischen Anomalien
des Schädels handelt.
Möglicherweise entstehen die Syrinx durch eine Abflussstörung, die eine Folge von
Kleinhirnvorfällen und damit verbundenen Verwirbelungen des Gehirnwassers
sein kann. Dafür sprechen gehäuft auftretende Kleinhirnvorfälle unterschiedlicher
Ausprägung mit der Ausbildung von Syrinx. Denkbar wären auch andere Ursachen,
die zu einer Verdrängung des Kleinhirns führen, wie der Hydrocephalus
(Abflussbehinderung des Hirnwassers) oder eine Verdrängung der Gehirnmasse
aufgrund eines zu geringen Schädelvolumens.
Dies beschreibt eine weitere mögliche Ursache für die Bildung von Syrinx, nämlich
die Köpfe der Cavaliere, die im Laufe der Zeit immer mehr dem Kindchenschema
angepasst worden sind, klein und rundlich, Diese anatomischen Veränderungen
bei den Hunden geschehen innerhalb einer sehr kurzen Zeit und parallel stieg die
Anzahl der an Syringomyelia erkrankten Cavaliere.
Zudem treten die Kleinhirnvorfälle - wie bereits geschrieben - schon bei über 90%
der Cavaliere auf. Nun ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit nur eine Frage der Zeit,
wann sich Syringomyelia auch in dem Maße ausbreitet, wie es bei den
Kleinhirnvorfällen und Herzerkrankungen bereits der Fall ist.
Eine weitere mögliche Ursache wird in den Genen des Hundes gesehen. Demnach
soll es sich bei der Syringomyelia um eine reine Erberkrankung handeln, d.h., die
Hunde tragen ein entsprechendes Gen bereits in sich, das allein für den Ausbruch
der Erkrankung verantwortlich ist. Diese Ansicht wird auch von den meisten
Züchtern vertreten. Gemäß dieser These sei die Bekämpfung und weitere
Verbreitung der Erkrankung derzeit nur mit Selektion betroffener Hunde möglich.
Daher ist man teilweise dazu übergegangen, auffällige Hunde auf Listen zu setzen
und Ahnentafeln zu markieren. Für eine Markierung und somit für einen Zuchtausschluss
reicht es zum Teil aber schon, wenn die Symptome von irgendjemandem
beobachtet wurden. Was auf eine mögliche Erkrankung hinweisen
könnte, wird damit zu einer Gewissheit gemacht; eine mutige Diagnosestellung,
die sich selbst Tierärzte ohne weitergehende Untersuchungen nicht zutrauen. Sie
vertrauen da dem MRT-Befund, in dem die SM einwandfrei nachgewiesen werden
kann. Das MRT ist aber in keinem Verein vorgeschrieben und bleibt somit dem
Willen und Geldbeutel des Züchters freigestellt.
Syringomyelia tritt zudem meist erst ab einem Alter von zweieinhalb Jahren auf,
deshalb wäre in diesem Fall ein erster Zuchteinsatz frühestens mit drei Jahren
dringend zu empfehlen. Derzeit wird aber leider von den meisten Züchtern nur auf
einen Gentest gewartet, der aber erst in etwa 10 Jahre zu erwarten ist.
Weitergehende Betrachtungen und Zusammenhänge
Bei den Herzerkrankungen kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass
sie vererbt sind, eine der wichtigsten Ursachen stellt dabei wohl die Tatsache dar,
dass zu wenige Rüden zur Zucht eingesetzt werden. Jeder Züchter möchte einen
berühmten Vater oder Großvater in den Ahnentafeln seiner Welpen stehen haben
und so sind die vergleichsweise wenigen "Champions" sehr gefragt, was leider
dazu führt, dass viele Hunde untereinander verwandt sind oder ähnliche oder
gleiche Vorfahren haben. Wenn nun ein einzelner Hund eine bestimmte Neigung
zu einer Erkrankung an viele Nachkommen vererbt, kann es durch diese
Kumulation der Gene zum Ausbruch von Erkrankungen kommen, die dann wieder
weiter vererbt und verbreitet werden.
Häufig werden dann solche ererbten Krankheiten auch als rassetypisch angesehen
und von den Käufern der Hunde als notwendiges Übel akzeptiert, Hauptsache die
Ahnentafel ist schön bunt und es prangen viele berühmte Namen in den Papieren
und der Hund sieht auch noch so aus, wie man ihn sich wünscht. Erkrankungen
oder eine Neigung zu Erkrankungen sieht man den Hunden nicht immer an, was
zu der etwas merkwürdig anmutenden Auffassung bei Ausstellungen von Hunden
geführt hat, dass ein Hund, der gut aussieht, auch gesund ist. Geprüft wird das
nicht, alles ist nur Augenschein und Annahme, der ideale Hund soll dem Standard
möglichst nahe kommen und sei er auch noch so krank. Dabei stellt der sogenannte
Standard nur eine Idealvorstellung dar, die eigentlich nie erreicht werden
kann und die zudem auch noch den modischen Vorstellungen ihrer jeweiligen Zeit
unterworfen ist. Kleine Hunde sollen noch kleiner werden, die Großen noch
größer, die niedlichen Hunde noch niedlicher. Ob die anatomischen
Veränderungen bei der Zuchtauswahl auch biologisch sinnvoll sind, bleibt dabei
zumeist unbeachtet, was gut aussieht, wird schon sinnvoll sein oder schadet dem
Hund nicht.
Das stellt aber einen grundlegenden Irrtum dar, Tatsache ist, dass sich ein
"schöner Hund" natürlich besser verkaufen lässt, insbesondere wenn es die Hauptaufgabe
eines Hundes ist zu gefallen. So ist es auch bei den Cavalieren, die
eigentlich keine andere Aufgabe haben. Hier zeigt sich wieder ein eindeutiges
Ursache-Wirkungsprinzip: Gibt es die Käufer, wird das gezüchtet, was gefällt.
Die Züchter untereinander bemühen sich, die Hunde zu liefern, die gefordert
werden, und sie tun es sicher nicht zu ihrem Schaden.
Züchter und auch die Zuchtvereine zeigen Macht und Einfluss, sie versuchen, sich
von den anderen abzugrenzen und ihre eigenen Interessen zu verfolgen.
Zuchtvereine tun dies nicht selten im Einklang der großen, einflussreichen
Züchter. Das aber macht es schwer, ein Projekt für die Gesundheit aller Cavaliere
zu starten, dazu müssten die Vereinsgrenzen überwunden werden. Es nützt da
wenig, wenn in einem Verein Listen geführt werden, die anderen interessierten
Züchtern nicht zur Verfügung stehen, wenn die Kriterien, die zu einer Markierung
von Hunden führen, nicht nachvollziehbar sind und nicht durch einen
eindeutigen Nachweis - wie Ultraschall oder MRT - belegt sind.
Selbst der VDH stellt keine einheitlichen Richtlinien auf, es gibt nur eine Empfehlung
und viel Spielraum für die einzelnen Vereine, diese nach ihrem Gusto
auszulegen. Verbindlich ist da nichts, die viel gepriesene Sicherheit und das Vertrauen,
mit dem der VDH für seine Züchterplaketten wirbt, werden so ad absurdum
geführt. (Kosten viel und müssen jedes Jahr neu gekauft werden. Dass man
Mitglied eines dem VDH angeschlossenen Vereins ist, reicht anscheinend nicht
mehr).
Schlussbetrachtungen
Ja, der Cavalier ist zu retten, wenn man das will. Die damit verbundenen
Maßnahmen mögen für manche unangenehm sein, und doch hat der Cavalier eine
Chance. Die Konsequenzen aus den oben genannten Missständen ergeben sich fast
von alleine. Es wird nach seriösen Schätzungen ungefähr 10 Jahre dauern, bis die
Rasse wieder gesunden kann, und das wird wohl nur der Fall sein, wenn alle
mitmachen. Es sollten die kleingeistigen Vorbehalte und das Beharren auf eine
vorschnelle Festlegung möglicher Ursachen aufgegeben werden, nur weil es einem
besser in den Kram passt zu sagen, "Ich kann nichts machen, noch gibt es den
Gentest nicht und solange bin ich machtlos." Es gibt genug Untersuchungen, die
Sicherheit bringen können, nur verpflichtend sind sie nicht, und die Ergebnisse
werden nicht zentral und vereinsübergreifend veröffentlicht, sodass sich interessierte
Züchter nicht über die geplante Zuchtkombination informieren können.
Ebenso sollte man Wert auf die Untersuchung der Nachkommen legen, die auch
dann untersucht werden sollten, wenn sie nicht zur Zucht eingesetzt werden. Sie
geben aber wertvolle Hinweise auf die Vererbung von Erkrankungen und können
eine Zuchtstrategie bestätigen oder widerlegen. Hier sind aber die Züchter gefragt,
die ihren Welpenkäufern eine kostenlose Untersuchung anbieten können. Auch
diese Daten gehören in eine öffentliche Datenbank, die allen Interessierten zur
Verfügung stehen sollte und die nur auf gefestigten, sogenannten "harten" Fakten
basiert, um so Manipulationen vorzubeugen.
Warum schafft man hier nicht vereinsübergreifend
unabhängige Gremien, die verbindliche Richtlinien festlegen und
die Züchter belohnen, die sich daran halten. Sinnlose Plaketten gibt es schon
genug, nun käme endlich mal eine dazu, die deutlich macht, ja ich bin dabei, ich
rede nicht nur, ich tue auch etwas. Schön wäre auch eine freiwillige Verpflichtung,
seinen Deckrüden allen interessierten Züchtern zur Verfügung zu stellen; aber
auch eine Höchstgrenze für Deckakte von einem Rüden einzuführen, damit nicht
eine Handvoll Rüden für den Fortbestand und damit auch für die Weitergabe ihrer
möglichen Erberkrankungen und degenerativen Merkmale sorgen.
Manch ein Züchter sollte das Experiment eingehen und weniger "schöne", dafür
aber mehr vermutlich gesunde Hunde züchten, auch wenn sich die wieder
schwerer verkaufen lassen. Ausstellungen zeigen leider eben nur Äußerlichkeiten,
es sollten auch hier mehr die inneren Werte, sprich Gesundheit zählen, die sich
leider nicht so schön präsentieren lässt.
Doch nicht zuletzt sollte man an die Interessenten und Käufer appellieren: Fragt
bei den Züchtern eures Vertrauens, was er tut und zu tun gedenkt. Es wird wohl
kaum jemand viel Geld für einen Hund ausgeben, der dann schnell krank wird und
dann noch mehr Geld kostet, was sich dann letztlich als vergebliche Liebesmühe
herausstellt, da er dann doch viel zu früh verstirbt. Was nützen einem da die
wohlklingenden Titel und die schönen bunten Papierfetzen, die man auch
Ahnentafeln nennt. Aber auch hier gilt: Glauben ist alles.
Kirsten Schiemann