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Was soll mit den Atomkraftwerken geschehen?

Der Atomausstieg wirft für die AKW-Konzerne Fragen auf: Wie soll der Abbau aussehen? Komplett abbauen oder einmotten?

Der Atomausstieg ist nicht so einfach, denn die Konzerne wissen noch nicht, wie sie ihre Atomkraftwerke stilllegen sollen. Laut Gesetz stehen ihnen zwei Möglichkeiten offen. Sie können die Anlage komplett abbauen, das ungefähr zehn Jahre dauern würde. Oder sie packen die Anlage für Jahre oder Jahrzehnte so ein, dass sie als sicher gilt. Die Entscheidung, welche Variante gewählt werden soll, hängt zum einen von der Sicherheit ab und zum anderen von den Kosten. Bis heute ist die Endlagerfrage nicht geklärt. So wurde beispielsweise ein Meiler der RWE in Lingen im Jahre 1988 eingepackt. Dann passierte so lange nichts, bis das Bundesverwaltungsgericht im Jahre 2007 entschied, dass der Schacht Konrad als Endlager für schwachradioaktiven und mittelradioaktiven Müll in Frage kommt. RWE beantragte im Zuge dessen den Abriss.

Das sichere Einpacken hat den Vorteil, dass die radioaktiv belasteten Komponenten abklingen können. Allerdings wird dabei die Kalkulation der Kosten sehr schwierig. Michael Sailer rät deshalb eher zum direkten Abbau, da man dann auf das Wissen der Mitarbeiter zurückgreifen kann, die sich mit dem Meiler bestens auskennen. Sailer ist der Vorsitzende der Entsorgungs-Kommission und der Berater von Umweltminister Röttgen.

Über die Kosten des Abbaus gibt es bisher nur Spekulationen. Laut einer Studie Arthur D. Little's geht man davon aus, dass der Abbau von allen siebzehn Meilern in Deutschland rund 18 Milliarden Euro kosten wird. Die Rücklagen der vier Konzerne liegen bei ungefähr 30 Milliarden Euro. Die Energieversorger sind der Meinung, diese Rücklagen reichen für den Abbau aus. Sailer ist skeptisch, denn von diesem Geld muss nicht nur der Rückbau finanziert werden, sondern auch der Bau von einem Endlager. Sailer kann sich sogar vorstellen, dass die Muttergesellschaften ein springen müssen, wenn die Rücklagen nicht ausreichen. Das könnte beispielsweise der Vattenfall-Konzern aus Schweden sein, wobei Vattenfall diese Vorstellung für eher unwahrscheinlich hält. Müsste der Bund als Ausfallbürge eintreten, so müssten die Steuerzahler die Mehrkosten mittragen.