Probiotika und Präbiotika waren ebenso wie biotechnologisch hergestellte Enzyme und biologische Konservierungsverfahren Themen auf der BIOTECHNICA 2010. Ein Symposium zu neuen fortschrittlichen Methoden in der Lebensmittelproduktion bildete den Einstieg in ein Thema, das fast so alt ist wie die Menschheit. Denn die Nutzung mikrobiologischer Organismen zur Herstellung oder Konservierung von Lebensmitteln ist keineswegs neu. Nicht nur Hefen im Bier, sondern auch Essigmutter oder Edelschimmel auf Schinken und Käse sind dem Verbraucher vertraut. Spätestens seit es probiotische Joghurts in jedem Kühlregal des Handels gibt, weiß der Verbraucher auch über die nutzbringenden, gesundheitsförderlichen Wirkungen der Biotechnologie Bescheid.
Prof. Holger Zorn von der Justus-Liebig Universität in Gießen gab den Teilnehmern des Symposiums einen Überblick über das, was Biotechnologie sonst noch leisten kann. Neben Qualitätsverbesserungen durch Einsatz biotechnologisch hergestellter Enzyme (z.B. Amylasen und Lipasen) sind beispielsweise neue Entwicklungen im Rahmen der Aromabiotechnologie für den Verbraucher interessant. Hier können teure Aromstoffe, die bislang nur aus empfindlichen Früchten gewonnen werden konnten, mithilfe biotechnologisch hergestellter Enzyme aus alternativen Quellen wie höheren Pilzen gewonnen werden.
Dr. Dieter Elsser-Gravesen von ISI Food Protection, Dänemark, gab einen Überblick über biologische Konservierungsmöglichkeiten. Lebensmittelsicherheit, die nicht als Reizwort auf der Deklaration erscheint. Synergistisch wirkende Wirkstoffkombinationen aus Bakteriozinen und Rosmarinextrakt hemmen beispielsweise Listerien. Resistenzbildungen gegen solche biologischen Konservierungsmittel sind selten.
Was gemeinhin mit dem Begriff Biotechnologie verbunden wird, nämlich die Gentechnik, war Gegenstand eines Vortrages von Dr. Marianna Schauzu vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Sie klärte auf, wie intensiv und umfangreich Risikobewertungen z. B. von gentechnisch veränderten Pflanzen durchgeführt werden müssen. Schauzu machte deutlich, dass Fortschritte in den gentechnischen Verfahren den hochsensitiven Nachweis der aktiv eingeführten Veränderungen ermöglichen. Dies hat den Vorteil, dass die künstlich herbizidresistent gemachten Pflanzen effektiv besser geprüft und bekannt sind als die mittels konventioneller Züchtung selektierten Sorten.
Insgesamt waren sich Referenten und Teilnehmer des Symposiums einig, dass Verbraucherinformation, aber auch die Information potenzieller Nutzer der Biotechnologie, deutlich intensiviert werden muss und ein großer Gesprächsbedarf gerade bei der Kombination Lebensmittel und Biotechnologie besteht. Dr. Andrea Dreusch (MicroMol GmbH, Karlsruhe), Organisatorin des Symposiums, wurde daher von der Deutschen Messe gebeten, die Veranstaltung auch in 2011 wieder auszurichten.