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OnlinePresse.infoWenn es dem Esel zu wohl ist...
von Walter Viktor
Daß der Werteverfall in Deutschland schon seit Jahren fortschreitet ist nicht neu. Aber daß ein Handschlag jetzt auch nichts mehr gilt und eine festgeschweißte Männerfreundschaft beendet ist neu. Wie die Pferdehändler hatten sich Theo Zwanziger, DFB-Präsident, Oliver Bierhoff und Joachim Löw, Manager und Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, im Dezember des vergangenen Jahres per Handschlag ewige Treue geschworen und alles schien auf dem Weg zum Weltmeister 2010 in Butter. Doch seit letzten Donnerstag ist es vorbei mit dem Dezemberschwur und die Butter ranzig.
Noch ist nicht klar, ob die Kälte der vergangenen Tage das Gehirn von Oliver Bierhoff, der für sich und den Trainerstab des nationalen A-Teams die Verhandlungen führte, eingefroren hat. Es war doch schon alles klar. Nur die Unterschriften fehlten noch unter dem neuen Vertrag. Da begab es sich zu Frankfurt am Main, daß der Manager sehr zur Überraschung der DFB-Altvorderen eine Wundertüte öffnete und unannehmbare Forderungen nach mehr Geld und Macht auf den Verhandlungstisch legte. Vielleicht fühlte er sich ja aufgrund der vielen Treueschwüre der Vergangenheit zu wohl. So betrat er also witterungsangepaßt wie der Esel im Sprichwort das dünne Eis und brach ein. Die Verhandlungen wurden auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft vertagt. Der Eklat war da, der Gesichtsverlust bei den jungen Wilden nicht unerheblich.
Vielleicht ist diese Entwicklung dem DFB-Präsidium gar nicht so unwillkommen. Jetzt kann man in Ruhe das Abschneiden in Südafrika abwarten, ohne sich jetzt schon an einen Trainerstab und Manager für die Zeit nach der WM zu binden. Denn geht die WM in die Hose sind die Teamverwantwortlichen sowieso nicht zu halten und müßten teuer aus ihren Verträgen entlassen werden. Von Löw ausgebootete Spieler wie zum Beispiel Frings und Kuranyi sehen wieder ein Licht am Ende des Tunnels. Denn wenn die Zeit für Löw und seine Konsorten im Sommer abgelaufen sein sollte, dann steigen ihre Chancen auf eine Rückkehr in die Nationalelf enorm. Und als neuer Nationaltrainer scharrt Mathias Sammer - der Einzige, der ohne Blessuren aus dem Frankfurter Supergau heraus kam - schon mit den Hufen.
Die Zeiten werden mit jedem Tag für die Beteiligten unruhiger werden. Nicht auszudenken was abgeht, wenn wir Anfang März gegen Argentinien eine Klatsche beziehen. Löw ist seit letzten Donnerstag nicht mehr in einer unangreifbaren Position, nicht mehr die unbedingte Respektsperson. Jede seiner Handlungen wird ab sofort von den Medien argwöhnisch beobachtet und jedes seiner Worte jetzt auf die Goldwaage gelegt werden. Sollte die Vorbereitung nicht so laufen, wie es sich die Verantwortlichen beim DFB, die Medien und Fans vorstellen, dann wird der DFB wohl dennoch mit Löw nach Südafrika reisen und nicht mitten im Fluß die Pferde wechseln. Aber man hat ja auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen...!
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