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Kampf um Koster Isenhagen

Die Südheide Gifhorn ist Standort eines Heideklosters mit einer spannenden Geschichte. Das Kloster Isenhagen in Hankensbüttel entstand Mitte des 13. Jahrhunderts als Zisterzienser-Mönchskloster. Es wurde von der Schwiegertochter Heinrichs des Löwen, Agnes von Meißen, gestiftet und von Mönchen des Klosters Riddagshausen besetzt. Sie hielten es in dem Ort aber nicht lange aus, zu nass und unfruchtbar war das Gelände. Frauen gründeten um 1260 an gleicher Stelle einen Zisterzienser-Frauenkonvent. Auch sie hielten es in dem Feuchtgebiet, es ist die Ise-Niederung, nicht aus und ließen sich 80 Jahre später in Hankensbüttel an dem Platz nieder, an dem das Kloster bei einer 1000 jährigen Linde noch heute steht.

Das Leben der Nonnen im Kloster
Es lösten sich Zeiten des Niedergangs in Kriegs- und Pestzeiten mit wirtschaftlichen Blütezeiten ab, in denen ein ansprechender Wohlstand das Kloster für adlige Familien attraktiv sein ließ. Dennoch war die Lebensweise der Nonnen sehr streng. Die strikte Einhaltung der Ordensregeln, wie zum Beispiel das gemeinsame Schlafen von 50 Nonnen im Dormitorium bei hohen Minusgraden, lässt ahnen, was sie aushalten mussten. Die Lebenserwartung reichte zeitweise nicht einmal an die 30 Jahre. Der Propst Christoph Gardener hatte einen Speicher für das Kloster bauen lassen und damit zu verstehen gegeben welche Bedeutung das Kloster in der Öffentlichkeit beanspruchte. Dieses alte Speicher-Gebäude steht heute noch an gleicher Stelle, ist ein Schmuckstück und beherbergt das Klosterhofmuseum mit seiner Ausstellung zur Wirtschaftsgeschichte des Klosters. Zum klösterlichen Leben gehörte es, dass die Zisterzienserinnen mit ihren Gebetszeiten bereits zwei Stunden nach Mitternacht begannen. In der Regel nahmen die gemeinschaftlichen Gebete am Tag vier bis fünf Stunden in Anspruch. Hinzu kamen persönliches Beten, Bußübungen, Krankenbetreuung, Gartenarbeit und Handarbeit wie Sticken und Weben. Stille und Ruhe waren das einzuhaltende Gebot bei allen klösterlichen Verrichtungen.

Herzog Ernst und Herzog Franz
Herzog Ernst übernahm in der Nachfolge seines Vaters Heinrichs des Mittleren zusammen mit seinem Bruder Otto 1521 die Regentschaft über das Fürstentum Lüneburg-Braunschweig. Nachdem Otto mit Harburg abgefunden worden war, trat im Jahre 1536 der jüngere Bruder Franz an seine Stelle. Dieser war aus kursächsischen Diensten zurück nach Celle gekommen und übte nun zusammen mit seinem Bruder Ernst die Regentschaft über das Fürstentum aus. Beide, Ernst und Franz hatten sich zwecks Studien zu unterschiedlichen Zeiten in Wittenberg und damit in der Nähe Martin Luthers aufgehalten. Beide wurden treue Anhänger der lutherischen Bewegung, Herzog Franz trat 1539 die Herrschaft über Gifhorn-Isenhagen an und bezog das Renaissanceschloss in Gifhorn.

Der Beginn der Auseinandersetzung zwischen der evangelischen und katholischen Seite
Bereits im Jahre 1527 hatte Herzog Ernst sich auf dem Landtag in Scharnebeck gegen die katholische Seite durchgesetzt und damit für den Wechsel vom katholischen zum evangelischen Bekenntnis sorgen können. Als er in den Jahren 1524 und 1525 von den Klöstern seines Machtbereichs beträchtliche Geldsummen verlangte, um Schulden in Höhe von 28 000 Goldgulden zu bezahlen, leiteten ihn zunächst wohl wirtschaftliche Interessen. Die Konvente der Lüneburger Klöster, zu denen auch Isenhagen gehörte, bangten um ihre Eigenständigkeit im Bereich der Wirtschaftsverwaltung wie auch ihre Autonomie. Die letzte katholische Äbtissin (1524) musste den aussichtslosen Kampf gegen die Herzöge Ernst und dann auch Franz bis zum Jahre 1540 durchstehen. Das war der Zeitpunkt, zu dem in Isenhagen die Reformation durchgesetzt war und eine nicht katholische Äbtissin die Leitung eines jetzt evangelischen Damenstiftes übernahm. Ernst wollte die Frauenklöster in seinem Herrschaftsbereich nicht ganz auflösen und damit zerstören. Er wollte sie als Versorgungsstätten für Töchter aus adligen und gut bürgerlichen Familien erhalten. Seit der Reformation besteht im Kloster ein Konvent evangelischer Damen. Diese zeigen in ihren gotischen Backsteingebäuden einen reichen Schatz an mittelalterlichen Möbeln und Kunstwerken hohen Ranges: geschnitzte und bemalte Altäre, Skulpturen, kleine Bilder für die private Andacht, vor allem gestickte Altartücher und Antependien (bestickte Vorhänge), die teilweise mit goldenen Reliefs und Perlen besetzt sind.

Weitere Informationen zur Südheide Gifhorn sind unter Telefon 05371-88175 oder info@suedheide-gifhorn.de abrufbar. Die Internetadresse lautet www.suedheide-gifhorn.de.