Die Angst vor Hexen und Zauberern ist im reformiert-pietistischen Siegerland noch immer groß. Deshalb dürfte der Antrag, den der Stadtrat am 14. April, also gut zwei Wochen vor der Walpurgisnacht zu beraten hat, sehr große Aufmerksamkeit finden. Der frühere Stadtverordnete und Bürgermeisterkandidat Rainer Beel, der ein Theologe ist, hat beantragt, daß die Ratsleute die in Freudenberg hingerichteten Hexen für unschuldig erklärten soll. Zur Begründung schreibt Beel:
"Die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit ist ein bestürzendes Kapitel unserer europäischen Geschichte. In der Hauptsache waren es weltliche Gerichte die zwischen 1430 und 1780 etwa 40.000 bis 60.000 Menschen anklagten und zum Tode verurteilten. Die Hälfte davon in Deutschland - ein Sonderweg! Jedes vierte Opfer war ein Mann, so wie Bürgermeister Bernhard Müller, der in Freudenberg zum Tod verurteilt und am 21. Juni 1653 verbrannt wurde. Andere starben durch das Schwert: Elli und Johann Herling sowie Margareta Steinseifer zum Beispiel. Sie wurden enthauptet. Allein in Plittershagen forderte der Verfolgungswille der Justiz 7 Menschenleben. Verdacht und Denunziation reichten aus. Die Prozesse endeten fast immer mit einer Verurteilung. Aber die weltlichen Gerichte hätten ohne die Unterstützung aus der Bevölkerung die Verfahren nicht einleiten und nicht führen können.
Die Menschen suchten und suchen schlicht und einfach Schuldige für Not und persönliche Schicksalsschläge. Daher hat das Thema eine ungebrochene Aktualität. Die sauerländische Stadt Rüthen hat jetzt alle auf ihrem heutigen Gebiet verurteilten und hingerichteten Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert. Eine solcher Ratsbeschluß stünde auch der Stadt Freudenberg gut an, denn ein Freispruch wäre mehr als späte Einsicht. Er wäre vor allem ein sichtbares Zeichen des Anstands, des Umdenkens und einer Leitkultur der Toleranz. Freudenberg sollte als zweite Stadt in Nordrhein-Westfalen diesem guten Beispiel folgen und als Nachfolger der damaligen Gerichtsbarkeit die gesellschaftliche Ehre der Opfer wiederherstellen."
Man darf gespannt sein, wie der Rat in dieser Frage entscheiden wird.