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WAZ: Die Grenzen des Geizes. Kommentar von Klaus Brandt

Essen (ots) - Die Vorstellung ist eklig: Der Große Bruder sieht
nicht nur dich. Er sieht auch deine Unterwäsche. Und die Geheimzahl
deiner EC-Karte. Sollten sich die Überwachungsvorwürfe bestätigen,
dann hat Aldi ein Problem, das teuer werden kann für die Billigkette.

Wenn sich tatsächlich einige Aldi-Filialleiter als Spanner
entpuppen; wenn sie im Dienstzimmer hinter der versteckten Kamera
sitzen und gezielt leicht bekleidete Frauen ins Visier nehmen. Wenn
sie nur darauf warten, dass die sich bücken oder beugen. Wenn sie
dann das Zoom ausfahren und gezielt die Intimsphäre ihrer Kundinnen
verletzen. Und - weil es noch nicht genug ist - wenn sie ihre
voyeuristischen Filmchen dann noch auf CD brennen und untereinander
tauschen. Wenn das alles stimmt, wer will dann noch bei Aldi
einkaufen? So geil kann Geiz gar nicht sein. Wenn aus billig
schmuddelig wird, spätestens dann ist die Untergrenze unterschritten.

Die Bespitzelung von Beschäftigten käme noch hinzu. Hatten wir das
nicht schon mal? Ja, 2008, beim Mitbewerber Lidl. Den kostete das
Ausschnüffeln von Mitarbeitern 1,5 Millionen Euro Bußgeld. Das sind
Peanuts im Vergleich zu der Rechnung, die Millionen Verbraucher
aufmachen können. Aldi-Arbeiter haben kaum Macht. Viele brauchen den
Job. Der Kunde aber ist stark. Und es heißt doch, er soll König sein
- nicht Freiwild für sexistisch motivierte Abschüsse.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Telefon: 0201 - 804 6519
zentralredaktion@waz.de

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