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Plastische Chirurgie: Abstehende Ohren sind eine sehr häufige angeborene Fehlbildung...

Abstehende Ohren sind eine sehr häufige angeborene Fehlbildung. Die Ursachen sind in der Regel zwei anatomische Besonderheiten:

1. Die fehlende Ausbildung der Anthelixfalte (innere Faltung der Ohrmuschel)
2. Ein Gewebeüberschuß und Abstehen der inneren Muschel.

Demzufolge gibt es zwei Behandlungsprinzipien:
1. Die Neuformung der Anthelixfalte.
2. Die Verkleinerung des Knorpelanteils der Muschel und die Annäherung der Muschel durch Nähte an den Kopf.

Neuformung der Anthelixfalte.

Hier gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
1. Schwächung der Vorderseite des Anthelixknorpels
2. Nahttechniken
3. Schnitttechniken

Die Schwächung des Knorpels an der Vorderseite geht auf den Schweden Stenström zurück. Der Knorpel wird durch Feilen oder Ritzen an der Vorderseite geschwächt und lässt sich so leichter Falten. Das Ergebnis wird durch einen verband fixiert. Vergleichbar ist die Methode mit einem Ast, der sich durch Einschnitte an der konvexen Seite besser biegen lässt.

Die Nahttechnik geht auf den berühmten englischen Plastischen Chirurgen Mustardé zurück, der diese Methode vor mehr als 40 Jahren erstmals beschrieb. Durch einzelne Nähte wird die Anthelixfalte neu geformt. Dies entspricht im wesentlichen der sog. Fadenmethode, die jetzt von einigen Kliniken und Behandlern als große Neuigkeit angepriesen wird.

Bei den Schnitttechniken wird der Knorpel beiderseits der Anthelixfalte parallel eingeschnitten und durch Nähte geformt. Dies wurde von dem Amerikaner Converse beschrieben. Als sehr günstige Methode hat sich die Kombination der ersten beiden Techniken, bewährt, da bei der Schnitttechnik gelegentlich scharfe Knorpelkanten entstehen.

Korrektur der Muschel
Eine vergrößerte Muschel kann durch sichelförmige Knorpelentfernung verkleinert werden. Zusätzlich kann durch Nähte zwischen Knorpel und Knochenhaut des Schädelknochens das Ohr auf normalen Abstand an den Kopf angenähert werden. Daneben gibt es noch andere Techniken, die aber weniger verbreitet sind und im wesentlichen Modifikationen der oben genannten Methoden sind.
In der Regel erfolgt die Schnittführung nur hinter dem Ohr. Zunächst wird überschüssiges Gewebe hinter der Muschel entfernt, um das Ohr besser an den Kopf annähern zu können. Dann wird ebenfalls von hinten die Haut an der Vorderseite von der Anthelixfalte abgelöst. Dann kann mit einer speziellen Ohrfeile die Vorderseite des Knorpels in diesem Bereich geschwächt werden. Der Knorpel lässt sich jetzt schon besser falten. Das Ergebnis wird dann durch die so genannte Mustardé-Nähte gesichert. Durch Nähte zwischen dem Knorpel der Muschel und der Knochenhaut des Schädelknochens kann das Ohr vollends auf die gewünschte Distanz zum Kopf angenähert werden. In einigen Fällen steht jetzt noch das Ohrläppchen etwas ab, was durch eine spezielle Nahttechnik ebenfalls korrigiert werden kann. Durch eine besondere Verbandstechnik wird dann das Ergebnis gesichert.

Einzelne Operateure führen die Nahttechnik über einen Hautschnitt an der Vorderseite durch. Allerdings entstehen hier unter Umständen sichtbare Narben. In der Folgezeit muss das erneute Abstehen verhindert werden, bis das Ergebnis ausreichend sicher durch Narbenbildung gesichert ist. Dazu tragen die Patienten für einige Wochen nach Entfernen des Nahtmaterials ein Stirnband, das die Ohren in der angelegten Form fixiert. Komplikationen sind bei der Operation eher selten. Es kommen kleinere Wundheilungsstörungen durch das Ablösen der Haut an der Vorderseite vor, die aber meistens bald abheilen. Die schwerste

Komplikation wäre eine Knorpelinfektion. Um das zu verhindern sollten für einige Tage Antibiotika in Tablettenform verabreicht werden. Da beide Ohren nie völlig gleich angelegt sind, ist keine absolute Symmetrie zu erwarten. In der Regel sind aber die ästhetischen Ergebnisse sehr gut. Um bei den Nahttechniken die Stellung des Knorpels lange genug zu halten zu können, werden am besten nicht-auflösbare Fäden verwendet. Dies kann sehr selten langfristig zu Unverträglichkeiten führen (Fadenfistel), so dass die Fäden später durch einen kleinen Eingriff wieder entfernt werden müssen.
Frühester Zeitpunkt der Operation ist ab dem 3. Lebensjahr, da zu diesem Zeitpunkt die Ohrform schon komplett ausgebildet ist. Sehr häufig werden die Eingriffe vor der Einschulung durchgeführt, da die Kinder in der Schule sonst oft gehänselt werden ("Dumbo"). Die Kosten der Operation werden bei Kindern in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Erwachsene müssen natürlich selbst dafür aufkommen. Bei Kindern sollte der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt werden, bei Erwachsenen ist die örtliche Betäubung sehr gut geeignet und die Regel. Der Eingriff kann ohne Probleme ambulant durchgeführt werden, ein stationärer Aufenthalt ist meistens nicht erforderlich.

Beitrag von Dr. H. Bucher, Nürnberg

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