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Neue OZ: Kommentar zu Kunstmarkt

Osnabrück (ots) - Noch ein Schrei: So wahnwitzig ist der
Kunstmarkt!

Wer so gellend schreit, hat plötzlich eine furchtbare Wahrheit
entdeckt. Munchs berühmter Schrei gilt der Einsicht in die
schockierende Bodenlosigkeit der menschlichen Existenz und damit
einem verbreiteten Lebensgefühl der beginnenden Moderne. Heute darf
Munchs ausgezehrte Figur wieder schreien. Aber was ist die Botschaft?
Jubelt die Figur verzückt über einen neuen Auktionsrekord? Oder gilt
der Schrei dem Entsetzen über den Wahnsinn eines entfesselten
Kunstmarktes?

Dieser Markt produziert längst irrwitzige Preise für Kunstwerke.
Das hat seinen Grund. Klassische Kunst zirkuliert als globale
Leitwährung der Kultur. Ihre Spitzenstücke sind wertbeständiger als
die meisten anderen Anlageformen. Durchschlagender kann der Erfolg
von Kulturgütern nicht sein - und entmutigender auch nicht. Denn
Spitzenpreise sorgen dafür, dass beste Bilder immer schwerer für
Ausstellungen zu leihen sind. Versicherungskosten explodieren. Im
gleichen Maß leidet Munchs Botschaft. Sein Bild galt einem
Lebensgefühl der Bedrängnis, nicht dem Geld. Jetzt ist die Angst
schick, weil mit Dollars veredelt. Wie trist. Man möchte schreien.

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