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3sat-Fernsehbeitrag weckt alten Kampfgeist

Bild von Terweiden

Hermann Terweiden parkinsonkranker Mitinitiator des Patientenpionierprojektes Schnecken-haus geht wieder in die Offensive

Eine Anfrage des Filmautors Bernd Thomas aus München hat Hermann Terweiden aus dem hessischen Florstadt-Staden davon überzeugt, wieder öffentlich aktiv zu werden. Es geht um einen 30 minütigen 3sat-Fernsehbeitrag, eine Dokumentation aus der Reihe „Aus anderer Sicht“ mit dem Titel „In Bewegung bleiben - Aus dem Leben von drei Parkinson-Patienten“, die am Freitag, den 04.05.2012 um 11:30 Uhr gesendet wird. Bereits vor ihrem 40. Lebensjahr sind sie an Parkinson erkrankt: Dietmar Wessel, Hermann Terweiden und Gisela Steinert aus dem Großraum Frankfurt. Jeder von ihnen versucht das Leben mit dieser fortschrei-tenden Krankheit auf eine eigene Weise zu bewältigen. Vor sieben Jahren hat der Filmema-cher sie zum ersten Mal besucht.
Auch wenn jeder seine eigene, mit anderen nicht vergleichbare Lebens- und Krankheitssituation hat, fühlt sich Hermann Terweiden auf seinem eigenverantwortlichen Patientenweg bestätigt. Immerhin ist er unter den beiden befreundeten Mitbetroffenen mit 62 Jahren der Älteste und seit seinem 15./16. Lebensjahr am längsten erkrankt. Sein Vorteil ist die späte Diagnose mit 42 Jahren. Ohne Hilfe von Medikamenten und Informationen über die Krankheit mußte er über 20 Jahre für sich selbst schon früh Strategien entwickeln, mit den zunehmenden Krankheitssymptomen wie Zittern und Gang- und Standprobleme klarzukommen. Der noch medikamentenfreie Weg schonte zusätzlich seinen Körper. Das erste wirksame Parkinsonmedikament L-Dopa kam 1973 auf den Markt. Da es nicht zur Heilung beiträgt sondern mehr oder weniger die Krankheitssymptome mildert, konnte die Medizin zu seinem Glück noch lange ohne ihn erste Praxiserfahrungen sammeln. Die späte Diagnose 1992 in der Parkinsonfachklinik in Bad Nauheim war nach langer Arztodyssee vor allem eine emotionale Befreiung. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde er mit L-Dopa und zwei weiteren Medikamenten erstversorgt. Die Wirkung war traumhaft, endlich konnte er z.B. wieder längere Strecken locker laufen. Trotzdem war er von Anfang an instinktiv darauf bedacht, den „Ball“ mit den Medikamenten „flach zu halten“. Eigenverantwortlich reduzierte er schon zum Start die L-Dopa Tagesdosis von 300 mg auf 200 mg und verteilte die Gesamtmenge in 50mg-Einheiten über den Tag.
Um die Medikamentenmengen und mögliche Nebenwirkungen weiter niedrig zu halten, suchte Terweiden zusammen mit seiner Mitstreiterin Heide Cuntz im Rahmen ihrer Schneckenhaus-Selbsthilfeaktivitäten von 1998 – 2010 landauf landab nach nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Höhepunkt und letzter Auslöser für das Ende ihrer gemeinsamen Selbsthilfeaktivitäten war ein rund 100-tägiger Selbstversuch von H. Terweiden 2008/2009 mit dem Ziel wieder gesund zu werden. Leider hielt er sich während dieser Zeit oft nicht an die vorgegebenen Regeln. Während H. Cuntz im Pionierprojekt dankenswerter Weise wie so oft die Stellung hielt, ernährte er sich in dieser Zeit nur von frischem Obst und Gemüse, trank nur osmosegefiltertes Wasser und saß jeden Tag 12 Stunden in basischem Badewasser. Leider hielt er sich oft nicht an die vorgegebenen Regeln und war auch noch während seiner anstrengenden Entgiftungsbäder für die Patientenselbsthilfe aktiv. Er wollte wieder genauso fit und tatkräftig werden wie die 57-jährige Mitbetroffene Maria aus NRW, die Parkinson- und erste Alzheimersymptome dadurch wieder loswurde. Motivierend lernte er sie vorher persönlich kennen. Die Roßkur, wurde von vielen in der Familie kritisch und von so manchem Parkinsonkranken mit Kopfschütteln und Unverständnis verfolgt. Terweiden brachte sie leider nicht die gewünschte Beschwerde- und Medikamentenfreiheit. Trotz der großen Enttäuschung sind Terweiden viele wertvolle Erkenntnisse über gesunde Ernährung und vor allem Entgiftung geblieben. Hinzu kommt die Tatsache, daß er seine tägliche L-Dopa-Einnahmemenge durch den Kraftakt in den letzten Jahren auf rund 500 mg erhöht, seitdem anhaltend auf 300 mg senken konnte. Damit liegt er bei der vom Facharzt angestrebten L-Dopa-Einstiegsmenge von 1992, nur hat er seit 2004 den zusätzlich verordneten Agonisten und ein Nervenschutzmedikament dauerhaft weggelassen! Terweiden geht damit einen extremen Sonderweg, denn die offizielle Therapieempfehlung lautet seit vielen Jahren L-Dopa so spät wie möglich und dafür Agonisten von Anfang an möglichst lange zu verwenden. Für den Patienten haben die Agonisten, die ähnlich wie L-Dopa wirken, den großen Vorteil, daß sie längere Wirkzeiten haben. Sie sind aber auch um ein vielfaches teurer! Terweidens Vorgehensweise ist nicht ohne weiteres auf andere übertragbar! Er will nicht dazu auffordern ohne Abstimmung mit dem behandeltenden Arzt Medikamenteneinnahmen zu reduzieren oder wegzulassen. Terweiden möchte zum kritischen Mittun auffordern: „Erst alle persönlichen Möglichkeiten ausschöpfen, dann erst Medikament!“. Eigenverantwortliches immer kritisches Handeln und die Auseinandersetzung mit dem Thema „Morbus Parkinson“ zahlen sich langfristig seiner Meinung nach aus!

Beim Vorgespräch mit dem Filmemacher hatte Terweiden mit einem spontanen erstmaligen Versuch deutlich machen wollen, wie schon geringe Medikamentenmengen neben ihrer kurzfristigen Wirkung bei Dauereinnahme auch langfristige Spuren im Körper hinterlassen. Terweiden löste 25 mg L-Dopa, seine tägliche Minimaldosis pro Einnahme, die ihm ca. eine Stunde „Beschwerdefreiheit“ bringt, durch intensives Rühren in einem Glas Wasser auf. Das Wasser trübte sich wie erwartet ein. Unerwartet jedoch war für ihn, dass es am nächsten Tag rabenschwarz war und die von der verschütteten Flüssigkeit eingetrockeneten Rückstände nur schwer vom Boden zu entfernen waren!

Vor diesem Versuch ist Terweiden dem Schicksal seiner Großtante Marie Lutz nachgegan-gen. 1902 geboren litt sie auch wie er sehr früh an Parkinson. Erst jetzt fand er heraus, das seine Angehörige u.a. mit hochdosierten Medikamenten in der Tötungsanstalt der Nazis in Hadamar über rund vier Monate gequält wurde. Sie fiel wie viele weitere gehandikapte Men-schen im Februar 1944 der Eutanasie zum Opfer!

Der so nicht für möglich gehaltene Vorführeffekt für den Filmautor und die emotionale Aufar-beitung seiner Familiengeschichte haben bei Terweiden zu einer außergewöhnlichen Spon-tanreaktion geführt. Auf einen Schlag waren alle depressiven Verstimmungen der letzten Jahre verschwunden. Die Trauer und Enttäuschung, daß er durch die Langzeitbadekur nicht wie erhofft ganz gesund wurde und unter anderem deshalb auch sein selbstgeschaffenes krankheitsgerechtes Schneckenhaus aufgeben mußte waren beendet und altem Kampfgeist gewichen. Er hat sich neue große Ziele gesetzt. Als Vorsitzender der von ihm gegründeten „Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung“ will er sich noch stärker als bisher dafür ein-setzen nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren zu fördern. Auch bei den beschwerlichen Filmaufnahmen machte er nach anfänglichem Zögern bei der geschilderten neuen Sachlage mit. Terweiden ist klar geworden, das seine über 40-jährigen Erfahrungen mit der chronischen Krankheit in einem Fernsehbeitrag von insgesamt 30 Minuten nicht ausreichend festgehalten werden können. Er will seine Erfahrungsschätze nach und nach im Internet in Buchform veröffentlichen. Erste Kapitel können kostenlos auf der Internetseite der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung unter www.parkinsonweb.com abgerufen werden.

Inzwischen hat Terweiden die sehr stressreichen Filmaufnahmen vom 14.4. bis 17.4. gut überstanden. Es wurde an diesen Tagen bei einem Selbsthilfetreffen in Sulzbach, in Flor-stadt-Staden in und um das Schneckenhaus, bei der Heilpraktikerin Maike Bode in Stock-heim, im Sportinstitut der Goethe-Universität Frankfurt und bei der Physiotherapeutin Ingrid Ersfeld in Friedberg Ossenheim gedreht. Alles wichtige Stationen, auf denen Terweiden Wo-che für Woche versucht, neben der Krankengymnastik nach Bobath auf Rezept nach Bedarf mit unterschiedlichen Aktivitäten und Anwendungen wie Bowen-Therapie, Osteopathie, SpaceCurl- und Lauftrainig, Akupunktur usw. fit zu bleiben. Kämpferisch sagt er: „mit 300 mg L-Dopa bin ich „austherapiert“ – ich will nicht mehr Medikamente! Dafür habe ich mit nichtmedikamentösen Behandlungsverfahren noch große Möglichkeiten, meinen Zustand zumindest zu stabilisieren!“. Terweiden bringt jeden Monat für diese Behandlungsformen rund 250 € privat auf! Dafür werden die „hohen“ Medikamentenkosten von rd. 30 € monatlich von der Kasse „dankenswerterweise“ voll übernommen!

Die Bemühungen der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung zur Förderung vor allem nichtmedikamentöser Behandlungsverfahren können über das Spendenkonto: 200 355 376 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ: 500 502 01) unterstützt werden. Informationen rund um das Thema Morbus Parkinson können unter www.parkinsonweb.com über das Internet eingesehen werden.

Hermann Terweiden
Stifter und Vorsitzender des Stiftungsbeirates