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Vier Möglichkeiten für Griechenland

Angesichts der Neuwahlen in Griechenland am 17. Juni ist die Zukunft Griechenlands im Euro wieder offen. Dabei ist die Frage ´Euro oder Drachme?` falsch gestellt, denn es gibt konstruktive Wege dazwischen. Viele Volkswirte haben inzwischen für Griechenland die Einführung einer Parallelwährung in verschiedenen Modellen vorgeschlagen. Welche Möglichkeiten hat Griechenland jetzt und was sind die Auswirkungen?

1. Lange Durststrecke durch Umsetzung der Sparmaßnahmen:

Bei Einhaltung des Konsolidierungsplanes würde Griechenland weiterhin die Unterstützung der EU, der EZB und des IWF erhalten, zahlungsfähig bleiben und zusätzlich Gelder aus dem EU-Strukturfonds erhalten, die etwa 2% des Bruttosozialprodukts ausmachen. Doch trotz aller staatlichen Sparmaßnahmen werden die Schuldenberge weiter wachsen, die Rezession mindestens zwei Jahre andauern, die Arbeitslosigkeit auf einem hohen Niveau verharren und die Verarmung weiter zunehmen. Damit sinken die Löhne weiter, was notwendig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dies alles führt zu einer Verbitterung und Radikalisierung in der Bevölkerung, die keinen Aufschwung erlebt.

2. Chaotischer Zusammenbruch durch Austritt aus dem Euro:

Wenn die neue Regierung das mit EU, EZB und IWF vereinbarte Rettungspaket kündigt oder nicht weiter umsetzt, werden die Hilfszahlungen ganz oder teilweise gestoppt. Zunächst würde der griechische Staat zahlungsunfähig und könnte Gehälter, Renten, Lieferanten und den Schuldendienst nicht mehr bezahlen. Aufgrund der Zahlungsunfähigkeit akzeptiert die EZB griechische Staatsanleihen nicht mehr als Kreditsicherheit und damit sind alle griechischen Banken von der Geldversorgung abgeschnitten und pleite. Gleichzeitig beginnt ein panikartiger Bank-Run und Geldtransfer ins Ausland. Es wird so chaotisch, dass der Staat nur mit einer zeitweiligen Sperrung der Grenzen, Einfrieren aller Konten und Wiedereinführung der Drachme reagieren kann und Griechenland gleichzeitig aus dem Euroraum und der EU austreten muss. Alle bestehenden Euroguthaben werden zwangsweise in Drachme getauscht. Diese wird vermutlich bis zu 50% gegenüber dem Euro abwerten, womit sich der Preis für alle Importwaren verdoppelt. Die Bevölkerung hat über Nacht einen großen Einkommensverlust, Außenhandel ist nur noch gegen Barzahlung möglich, Unternehmen haben Schwierigkeiten Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Ausland zu finanzieren. Das griechische Bruttoinlandsprodukt würde nach Schätzungen um weitere 20% einbrechen. Zwar würde langfristig die griechische Wirtschaft durch die starke Abwertung profitieren, doch zunächst müsste der schockartige Einbruch verdaut werden.

Da der griechische Staat keine Euro mehr zur Verfügung hat, stehen alle ausländischen Gläubiger vor einem weiteren radikalen Schuldenschnitt. Deshalb gibt es Schockwellen in den internationalen Finanzmärkten. Allein Deutschland würde ein Austritt bis zu 80 Mrd. Euro kosten. Vor allem aber könnte der Austritt Griechenlands einen Dominoeffekt auslösen mit verheerenden ökonomischen und sozialen Folgen für die gesamte Eurozone.

3. Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch eine stark abgewertete Parallelwährung

Ein Euroaustritt mit seinen negativen Wirkungen könnte vermieden werden, wenn der Euro und eine neue Parallelwährung gleichzeitig gelten. Dies schlug zum Beispiel der polnische Notenbankchef Marek Belka und der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer vor, der sie „Geuro“ nennt. Parallelwährungen für Griechenland wird unter Volkswirten seit Monaten diskutiert. (Alle Konzepte sind auf www.eurorettung.org/103.0.html dokumentiert).

Die Kernidee ist, dass der Staat beginnt ganz oder teilweise seine Ausgaben in Schuldscheinen bzw. einer neuen Parallelwährung zu bezahlen. Entsprechend weniger Euro-Hilfskredite benötigt er. Die Parallelwährung könnte entstehen durch Schuldscheine des Staates, eine neue Notenbank oder durch Verbriefungen staatlichen Eigentums.

Trotz der Einführung der Parallelwährung bleiben die bestehenden Eurokonten unangetastet, so dass ein Bankrun und Panik in der Bevölkerung vermieden und die Ersparnisse geschützt werden. Der neue Geuro ist gegenüber dem Euro frei konvertierbar und wird deshalb vermutlich bis zu 50% abwerten. In Griechenland würden die Waren also doppelt ausgezeichnet, Preis in Euro und aktueller Preis in Geuro. Ausländische Waren werden für die Griechen entsprechend teurer, Exporte aus Griechenland aber wesentlich billiger, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und der exportierenden griechischen Wirtschaft und dem Tourismus Aufwind gibt. Gleichzeitig steigt die Inlandsnachfrage, denn ausländische Waren werden unbezahlbar. Daraus ergeben sich notwendige Wachstumsimpulse für die griechische Wirtschaft.

Da aber alle bestehenden in- und ausländischen Kredite in Euro lauten und deshalb durch die abgewerteten Geuro-Einkommen nicht mehr bedient werden können, müssen diese anteilig per Gesetz auf Geuro umgeschrieben werden. Für ausländische Gläubiger bedeutet dies ein Verlust, es sei denn der Geuro würde im Laufe der Jahre durch eine gute Haushalts- und Wirtschaftspolitik wieder an den Euro anschließen. Da sich die griechischen Banken in Euro refinanziert haben, aber jetzt Geuro-Kredite haben, müssen sie hohe Abschreibungen vornehmen, die sie selber nicht verkraften können und müssen deshalb nochmal von der EU und der EZB gestützt werden.

Durch eine frei konvertierbare Parallelwährung würden also die katastrophalen Folgen eines Euro-Austrittes vermieden. Die drastische Abwertung trifft zunächst Kunden und Unternehmen und macht große Probleme mit bestehenden Euro-Krediten, doch langfristig wird die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft verbessert. Der Aufschwung wäre absehbarer und Griechenland könnte früher aus dem Schutz der Rettungsschirme entlassen werden. Deshalb ist diese Variante für die anderen Euroländer vermutlich billiger als die beiden obigen Varianten. Griechenland hätte Zeit sich zu entwickeln, bis irgendwann der Geuro nicht mehr notwendig ist.

4. Konjunkturmotor und sanfter Weg mit Expressgeld

Die Komplementärwährung, die von Christian Gelleri und Thomas Mayer (einem Namensvetter des Deutsche Bank Chefvolkswirtes) in der Studie „Expressgeld statt Euroaustritt“ entwickelt wurde, ist anders konstruiert. Die Autoren gründeten vor zehn Jahren den Chiemgauer, das größte Regiogeld Deutschlands und übertragen diese Erfahrungen auf Griechenland.

Das Expressgeld ist an den Euro gekoppelt und durch hinterlegte Euro gedeckt und wird vom Staat zusammen mit der Notenbank in Umlauf gebracht. Bei einem Rücktausch von Expressgeld in Euro fällt eine Umtauschgebühr (Abflussbremse) von 10% an. Damit wird erreicht, dass das Geld im Land bleibt und das Expressgeld gegenüber dem Euro etwas abgewertet ist, was der griechischen Wirtschaft nützt. Dieser feste Wechselkurs ist für Unternehmen klar kalkulierbar und für die griechische Bevölkerung verträglich. Durch die feste Koppelung an den Euro müssen keine Eurokredite umgeschrieben werden, entsprechend fallen keine weiteren Abschreibungen bei griechischen Banken an. Griechenland kann vollwertiges Mitglied des Eurosystems bleiben, die griechische Notenbank hat nur die Zusatzaufgabe Euro in Expressgeld zu tauschen. Für die Deckung des für Griechenland notwendigen Expressgeldes sind etwa 13 Milliarden Euro notwendig, diese müssen nicht extra finanziert werden, der Staat wechselt Euro in Expressgeld und bezahlt damit seine Ausgaben.

Neben der Eurodeckung und Abflussbremse ist das Expressgeld vor allem mit einem Umlaufimpuls versehen. Durch eine Nutzungsgebühr von 8% im Jahr wird der Geldfluss beschleunigt, was die Wirtschaft antreibt. Die Grundidee ist: Wenn kein zusätzliches Geld in die Wirtschaft eingeführt werden kann, weil es nicht da ist oder sofort wieder abfließt durch Importe oder Geldflucht, muss man das vorhandene Geld besser nutzen (Liquiditätsoptimierung). Wenn alle Beteiligten ihr Verhalten ändern und das Geld schneller ausgeben, wird die Binnennachfrage massiv gestärkt und Griechenland könnte nach Berechnungen schnell aus der Rezession herauskommen. Eine Verdoppelung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, soweit es in der Realwirtschaft bleibt und freie Kapazitäten vorhanden sind, führt zu einer Verdoppelung des Bruttosozialproduktes.

Das Expressgeld fügt sich also nahtlos in das Eurosystem und die bestehenden Vereinbarungen mit der Troika ein. Es gibt keine Probleme mit Eurokrediten. Durch eine 10%-Abwertung wird die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands verbessert und der Umlaufimpuls initiiert ein starkes Wirtschaftswachstum, das zu neuen Arbeitsplätzen und mehr Steuereinnahmen führt. Den anderen Parallelgeld-Konzepten fehlt dieser Konjunkturmotor, das Wachstum soll durch eine schmerzende Abwertung entstehen. Dagegen vermeidet das Expressgeld alle finanziellen Schocks und weitere Verbitterung der Bevölkerung und ist deshalb der sanfteste Weg zu einem Aufschwung. (Weitere Infos zum Expressgeld unter www.eurorettung.org)

Kontakt:
Thomas Mayer, Tel. 0049-831-5709512, thomas.mayer@eurorettung.org, www.eurorettung.org
Christian Gelleri, Tel. 08031-4698039, christian@gelleri.com, www.chiemgauer.info

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