Nachrichtendienst mit Presseportal zu Tagesthemen
Nachrichten und Pressemitteilungen
 

Aktion im Internet für Vergewaltigungsopfer

Opfer von sexuellen Gewalttaten haben im Internet die Möglichkeit anonym zu berichten, warum sie sich gegen eine Anzeige entschieden haben.

Inge Kleine aus München hat mit weiteren Frauen eine Aktion ins Leben gerufen, die noch bis zum 15. Juni laufen wird. Das Vorbild für diese Aktion war "ididnotreport" von Großbritannien und die französische Aktion "jenaispasportéplaint". Auf der Website "ichhabenichtangezeigt" können Opfer von sexuellen Gewalttaten anonym aussagen, warum sie den Täter nicht angezeigt haben. Die Anzahl der Beiträge und die Aussagen an sich sind erschreckend. Bereits über 700 anonyme Einträge konnten gezählt werden.

Diese Menge an Opfern, die ihre Täter nicht anzeigten deckt sich mit Studienergebnissen einer Umfrage von 2005, die das Bundesfamilienministerium durchführen ließ. Daraus ging hervor, dass rund zehn Prozent der befragten Frauen in der Kindheit sexuell missbraucht wurden. Sexuelle Gewalt erlebten zirka dreizehn Prozent und sexuelle Belästigung ab sechzehn Jahren erfuhren sogar 58 Prozent. Zur Anzeige kommt es bei sexueller Gewalt nur sehr selten. Experten sind überzeugt, dass nur ein Prozent der Opfer zur Polizei geht, um den Täter anzuzeigen.

Wie Inge Klein als Organisatorin der Aktion mitteilte, sind die Gründe gegen eine Entscheidung zur Anzeige sehr unterschiedlich, aber die meisten Opfer schreiben darüber, dass sie befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird. Klein erklärt, dass die häufigsten Fälle von sexueller Gewalt innerhalb der Familie vorkommen. Um den Schein der guten Familie zu wahren, wird dem Opfer nur selten geglaubt und selten findet es Unterstützung von Familienmitgliedern.

Vielen Frauen graut es auch davor, im Polizeipräsidium den Hergang detailliert zu berichten. Zudem kommen sie sich selbst wie ein Täter vor, wenn als erstes die Frage gestellt wird, ob die Aussage auch stimmen würde. Frauen, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist, schämen sich und wünschen sich Ruhe. Zudem können sie sich weiblichen Polizisten gegenüber eher öffnen als männlichen.

Laut einer Kriminalstatistik wurden 2011 über 47 000 sexuelle Straftaten angezeigt. Wie die Erfahrung von Bayern zeigt, werden davon ungefähr drei Viertel der Verfahren aufgrund mangelnder Beweislage wieder eingestellt. Wie Erich Elsner aussagte, folge eine Verurteilung auf jede vierte Anzeige. Wie der Ersteller der Studie erklärt, werden rund drei Viertel der angeklagten Sexualstraftäter verurteilt.

Ein weiterer Grund, der die Frauen von einer Anzeige abhält, ist die Angst vor der Rache des Täters. Wie die Umfrage des Bundesfamilienministeriums ergab, sind zu
99 Prozent der Missbrauchsfälle Männer die Täter. Nur bei einem Prozent waren Frauen die Täter.

Die Aktion von Inge Klein und ihrem Team soll Menschen und auch die Justiz sensibilisieren. Frau Klein ist der Meinung, dass es ein Problem im Rechtsstaat gibt, wenn deutlich wird, dass so viele Straftaten geheim gehalten werden. Sie hofft, dass sich zumindest durch diese Aktion über den Umgang mit Opfern Gedanken gemacht wird und der Weg zur Polizei erleichtert wird. Viele Opfer haben es bereut, dass sie ihren Täter vor einer Anzeige bewahrt haben.