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Kliniken operieren mehr als nötig

Wie Krankenkassen einschätzen, werden in Krankenhäusern viele Operationen aus rein ökonomischen Gründen durchgeführt. Wulf-Dietrich Leber rät Patienten aufzupassen, nicht umsonst unter das Chirurgenmessen zu gelangen.

Wulf-Dietrich Leber von dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkasse spricht im Zusammehang zu Operationen bereits von einer Grenze zu medizinischen Notwendigkeiten. So werden immer mehr Hüft- oder Knieprothesen eingesetzt und auch die Zahl der Eingriffe an der Wirbelsäule nahm zu. Die Krankenkassen sind der Ansicht, dass Kliniken öfter operieren, als es nötig wäre. Auch schwere Eingriffe werden vorgenommen, die medizinisch nicht unbedingt erforderlich sind. Der Verband kritisierte die wachsende Zahl der Behandlungen, da sie aus ökonomischen Gründen entstehe.

Die Ergebnisse einer Studie des Kassenverbandes zeigten einen Behandlungsanstieg um dreizehn Prozent von 2006 bis 2010 an. Der Gesundheitsexperte des RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) Boris Augurzky berichtete, dass nur vierzig Prozent dieses Behandlungsanstieges mit der Gesellschaftsalterung zu erklären sei. Die Zunahme an operativen Eingriffen gehe unter anderem auch auf ein größeres Angebot der Kliniken zurück. Nach Aussagen von Krankenhausärzten werden Mediziner angehalten, mehr Behandlungen durchzuführen.

Der Kassenverband und das RWI gehen davon aus, dass der Preisanstieg für Behandlungen ab 2007 zu den vermehrten Eingriffen beigetragen habe. Die Kliniken erhalten eine höhere Bezahlung für verschiedene Behandlungen, sodass die Krankenhäuser die lohnenswerten Eingriffe erhöhten. Laut Kassenverband und RWI ist die Zahl der Behandlungen an Hüfte, Knie und Wirbelsäule besonders stark angestiegen.

Leber fordert am Preis anzusetzen, um die Menge der unnötigen Behandlungen in den Griff zu bekommen. Er schlägt Lizenzen für Kliniken vor, die für die Regelung der Behandlungsmenge zuständig sind. Außerdem fordert er, dass Krankenkassen mit Kliniken Verträge abschließen dürfen.