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Apps als mobile Psychotherapeuten

Was für US-Soldaten mit Posttraumatischer Belastungsstörung bereits angeboten wird, könnte auch in Zukunft Menschen mit Angststörungen oder Depressionen helfen: Eine App für das Smartphone als mobiler Therapeut.

Das Kriegsveteranen-Ministerium der USA(U.S. Department of Veterans Affairs) offeriert bereits Soldaten ein kostenloses Programm für das Handy, um mit den Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (englische Abkürzung PTSD) besser umgehen zu können.

Mit einem Klick bekommen die Soldaten Übungen angezeigt, die beruhigend oder ablenkend wirken. Mit dieser App kann ebenfalls eine Selbsthilfehotline kontaktiert werden. Laut Aussagen des US-Ministeriums wird die App bereits von rund fünfzigtausend Personen aus sechzig Ländern verwendet. Die App steht für jeden im Internet frei zur Verfügung.

Apps können laut Meinung von Forschern und Psychotherapeuten ein wichtiges Hilfsmittel darstellen, um den Alltag besser bewältigen zu können, wenn Ängste, Stress oder Depressionen bestehen. Bisher wurde die Anwendung von Handyprogrammen nur in Studien erforscht, doch die Wissenschaftler sind überzeugt, dass Apps eine Art mobiler Therapeut sein könnten. Zudem scheuen viele Menschen den Weg zum Therapeuten, da sie sich für ihre Erkrankung schämen. Somit kann solch ein Programm ebenfalls der erste Schritt sein, um aktiv seine Probleme zu anzugehen und den Gang zum Psychotherapeuten zu erleichtern.

Wie Studien bewiesen haben, lassen sich Jugendliche durch ein Handy-Programm viel eher auf die vom Therapeuten aufgegebenen Aufgaben ein, als dies ohne Handy der Fall ist. Die Jugendlichen konnten für die Studie mittels App Tagebücher führen und therapeutische Übungen ausführen.

Stephanie Bauer und ihr Team des Universitätsklinikums in Heidelberg erprobte bereits vor zehn Jahren die therapeutische Unterstützung via Handy bei Essstörungen. Zunächst halfen SMS Menschen mit Essstörungen bei der Führung von Tagebüchern. Später wurden Apps dazu eingesetzt. Wie Bauer aussagt, hilft ein Handy-Programm dabei, das Abrutschen in gestörte Essverhalten zu verhindern.

In Europa und Deutschland werden in erster Linie Apps erforscht, die depressive Menschen unterstützen und Essstörungen vorbeugen sollen. In den Vereinigten Staaten geht die Forschung in eine andere Richtung. Dort sollen mittels Sensoren Stresssymptome an das Handy direkt weitergeleitet werden, damit der Betroffene sofort anhand von therapeutischen Nachrichten gegen die Symptome angehen und sich selbst beruhigen kann. An dieser Hilfsmethode arbeiten zur Zeit Forscher aus Massachusetts, die in Zukunft Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung helfen soll.

Auch Martin Bohus erprobt Apps als Begleiter für Menschen mit PTSD. Der Psychotherapieforscher erklärt, dass die betroffenen Personen in den Therapiesitzungen lernen, mit ihren Emotionen besser umzugehen. Dieser Umgang muss aber zwischen den Sitzungen geübt werden. Dabei kann eine App unterstützend wirken.

An der Harvard University konnte sogar anhand einer Studie ein Erfolg bei Menschen mit sozialer Angststörung festgestellt werden. Die Studienteilnehmer mussten dreimal pro Tag für ungefähr zwei Minuten das Übungsprogramm auf dem Smartphone anwenden. Im Vergleich zu den Probanden, die keine App für Übungen erhielt, wurden die Symptome der Teilnehmer mit App deutlich weniger.

Martin Bohus glaubt, dass Apps in Form von mobilen Therapeuten bald schon in Deutschland eine wichtige Rolle einnehmen. Ein Hindernis könnten die Kosten für die Entwicklung einer solchen App sein. Er schätzt, dass einige hunderttausend Euro für die Entwicklung einer App notwendig sind. Trotzdem ist Bohus überzeugt, dass zukünftig Apps als Vorsorgemaßnahme angeboten werden, um eine psychische Erkrankung rechtzeitig abzuwenden.