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Depression und Burn-out bei Bankern

Hohe Vorgaben an Manager oder Vertriebsmitarbeiter, Zeitdruck und Stress – gerade im Finanzdienstleistungsbereich ist das Thema Burn-out hoch brisant. Wie können Symptome bei sich und anderen frühzeitig erkannt werden, was kann man tun, wo gibt es Hilfe und wie gelingt die Wiedereingliederung in den Beruf? Diese Fragen griff eine gemeinsame Veranstaltung der Börse München mit dem Verein Befreunden e.V. auf, die sich vor allem an Personalverantwortliche richtete.

Referenten der Veranstaltung waren Professor Margot Albus, klinische Direktorin und Fachärztin für Neurologie an der Isar-Amper-Klinik Haar und Angela Huber, Rechtsanwältin, Mediatorin und Disability Managerin im Betrieblichen Eingliederungsmanagement für mittelständische Unternehmen. Die Herausforderung Burn-out wurde von zwei Seiten, der medizinischen und der juristischen Seite, beleuchtet. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die praktische und engagierte Seite: Der Verein Befreunden e.V. vermittelt zwischen ehrenamtlichen Helfern und Patienten mit Depression.

„Die Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen ist seit 1994 deutlich angestiegen und verursacht die längsten Ausfallzeiten“, sagte Professor Margot Albus. Während bei den am häufigsten auftretenden Erkrankungen der Atemwege im Durchschnitt 6,4 Fehltage verzeichnet werden, liegt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei psychischen Erkrankungen bei 23,4 Tage. Häufig sei es der Fall, dass Vorgesetzte lange Zeit nichts ahnen, bis der bisher unauffällige Mitarbeiter plötzlich häufig fehle. Selbst ein Spezialist übersehe bei den eigenen Leuten oft eine depressive Erkrankung. Diese habe viele Verbündete, wie Angst, Schmerz oder das Burn-out-Syndrom. „Psychische Störungen machen sich auch aufgrund gestiegener Anforderungen am Arbeitsplatz schneller bemerkbar“, betonte Margot Albus. Insbesondere traumatische Erlebnisse, privater oder beruflicher Stress sowie genetische Faktoren seien als Ursachen zu zählen.

Rehabilitation, Integration, Vorbeugung

„Wenn Menschen viel leisten, die Rahmenbedingungen jedoch nicht stimmen, steigt die Gefahr, dass die Psyche leidet und mit schwerer Erschöpfung reagiert“, betonte Rechtsanwältin und Mediatorin Angela Huber. So sind psychische oder psychosomatische Erkrankungen mittlerweile einer der häufigsten Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit, die nicht selten mehrere Wochen oder Monate andauert. Vorboten können Verhaltensveränderungen wie Konzentrationsstörungen, ständige Gereiztheit oder sozialer Rückzug sein. Im Kredit- und Versicherungsgewerbe hätten fast 15 Prozent der Erkrankungen psychische Ursachen.

„Was viele nicht wissen: Der Arbeitgeber hat in einem solchen Fall eine gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht zu erfüllen. Betroffene haben die Möglichkeit, an einem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) teilzunehmen, welches die Ursachen analysieren und möglichst beseitigen soll“, so die Expertin. Denn sind Beschäftigte sechs Wochen innerhalb eines Jahres arbeitsunfähig, ist der Arbeitgeber seit Mai 2004 verpflichtet, mit den Betroffenen in Dialog zu treten, um Antworten auf die drängendsten Fragen zu bekommen: Wie kann die Arbeitsunfähigkeit überwunden, erneute Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt werden und so der Arbeitsplatz erhalten bleiben. Zusammen mit dem Betroffenen sollen individuelle Maßnahmen erarbeitet werden. „Das kann eine medizinische Reha, eine frühzeitige Leistungserprobung durch eine stufenweise Wiedereingliederung, die Unterstützung einer beruflichen Tätigkeit vor Ort, eine Arbeitszeit- oder Aufgabengestaltung sein oder die Versetzung in eine andere Abteilung.“

Datenschutz steht an erster Stelle

„Für Unternehmen bedeutet das BEM weit mehr als nur eine bloße Gesetzesvorschrift“, betont Angela Huber, die als Disability Managerin CDMP deutschlandweit bereits über 200 BEM-Einzelfälle betreut hat und das Instrument in mittelständischen Unternehmen einführt, prüft oder optimiert. „Eine ganze Unternehmenskultur kann und muss sich wandeln – vom Wegschauen zum Sich-Kümmern. Angela Huber sieht sich dabei als neutrale Person, die mit der Politik des Unternehmens nichts zu tun hat. Ein Vorteil gerade bei psychischen Erkrankungen. Mitarbeiter, die sich ihrem Arbeitgeber nie öffnen würden, fassen Vertrauen, denn Datenschutz und Schweigepflicht stehen an erster Stelle. Und so können gemeinsam Maßnahmen entwickelt werden, um die Leistungsfähigkeit in Zukunft zu erhalten.

„Befreunden“: Betroffenen Zeit schenken

Besonders wichtig für depressiv erkrankte Menschen sind soziale Kontakte. Das seit 2005 bestehende Projekt Befreunden, das Dr. Herbert Pfeiffer, Chefarzt der Isar-Amper-Klinik vorstellte, vermittelt Bekanntschaften zwischen ehrenamtlichen Helfern und Menschen, die wegen einer Depression in Behandlung sind. Die gemeinsamen Unternehmungen reichen vom Spazierengehen, gemeinsamen Kino-, Theater-, oder Museumsbesuchen – bis hin zum einfachen Sich-Unterhalten. Nicht selten entwickeln sich daraus tiefe Freundschaften. Für die ehrenamtlichen Helfer findet zudem an jedem dritten Montag im Monat ein Stammtisch statt, bei dem offene Fragen geklärt und Unterstützung gegeben werden kann.

Kontakt
Projekt „Befreunden“, Dr. Sabine Tatò: 089 - 4562-0
Rechtsanwältin und Mediatorin Angela Huber: 089 - 638525-45