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Der Hobby-Heizer. Eine Lesung mit Texten von Susanne Ratuschny in der Galerie für Kulturkommunikation

Bild von Dr. Rainer Strzolka

Der Hobbyheizer hat ein sehr teures Hobby.. Er heizt nicht, weil es kalt ist, sondern aus Lust und Laune. Der Hobbyheizer macht den Kaminofen täglich an, egal ob es 10, 20 oder 30 Grad sind. Er heizt hobbymäßig. Die Kosten sind dabei völlig nebensächlich. Auch während der "Zwischenjahreszeiten", in denen man auch mal einen Pullover oder eine Decke nehmen könnte, anstatt zu heizen, schmeißt der Hobbyheizer den Kamin an.. Lieber öffnet er alle Türen und Fenster, läuft fast völlig nackt durch die Wohnung, als dass der Kamin einen Tag mal nicht brennt. Selbst bei heißestem Sommerwetter wird kräftig nach draußen geheizt.

Wenn der Kamin dann brennt, schaut er fast minütlich dorthin, um sich bestätigen zu lassen, dass die Flamme auch schön ist. Der Kamin wird selbstverständlich nicht voll bestückt. Nein, er lässt das Holz Stück für Stück abbrennen, ein Stück wird abgebrannt, erst dann kommt das nächste drauf. Schließlich muss man das Holz sowie den Ofen pflegen und es ist zudem eine recht sportliche Bestätigung. Er läuft den ganzen Abend zwischen Sofa und Kamin hin und her. Das ist aber noch nicht alles. Das Zimmer muss natürlich auch so eingerichtet werden, dass er von allen Sitzplätzen einen guten Blick auf den Kamin hat. Während die Außenwelt nur ein Kopfschütteln für derartiges Verhalten hat, geht er selbst in diesem Hobby völlig auf. Er liebt sein Holz heiß und innig, ab Zeitpunkt des Schlagens bis zum letzten Funken Glut. Man könnte das Holz auch als Geliebte des Hobbyheizers bezeichnen.