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Die Last der Liebe – Scheidungsrate in Deutschland hat sich erhöht

Bis dass der Tod euch scheidet. Das schaffen viele Ehepaare nicht. Die Scheidungsrate in Deutschland hat sich 2011 um 0,3 Prozent erhöht.

Von tausend Ehen werden elf wieder geschieden. Im Jahr 2011 lag die Zahl der geschiedenen Ehen bei 187 000. Im Vergleich zu 2010 sind das 0,3 Prozent mehr Scheidungen. Viele dieser Paare führen jedoch bis zur Scheidung eine langjährige Partnerschaft. Im Durchschnitt scheitert die Beziehung nach rund vierzehn Jahren.

Es gibt einige Gründe für die steigende Scheidungsrate in Deutschland. Einer davon sind die Erwartungen an eine feste Partnerschaft, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. In früheren Jahren war eine Eheschließung mit der Gründung einer Familie und der Existenzsicherung verbunden.

Heute erwartet man von einer Beziehung eine Lebensbereicherung. Wie der Paartherapeut Dietmar Stiemerling erklärt, soll eine Ehe das Leben interessanter machen. Wenn diese Wünsche nicht in Erfüllung gehen, bedeutet dies oft das Aus der Ehe. Größtenteils reichen Frauen die Scheidung ein, da sie nicht in einer Partnerschaft bleiben möchten, die stumpf und wenig lebendig geworden ist.

Wie der Psychoanalytiker Stiemerling berichtet, hoffen viele Menschen, dass eine Ehe die eigenen Defizite ausgleicht. Probleme wie mangelndes Selbstbewusstsein oder Unzufriedenheit mit Beruf oder Privatleben sollen dann durch eine Partnerschaft gelöst werden. Unter dieser hohen Anforderung an eine Beziehung zerbrechen die meisten Ehen. Dasselbe gilt für zu hohe Erwartungen an den Partner, der möglichst perfekt sein soll. Auch dies ist ein Grund für das Scheitern einer Ehe.

Stress ist ein sehr großer Killer für eine Partnerschaft. Gestresste Personen reagieren oftmals über und dies löst Streitigkeiten aus. Außerdem lässt die Lust auf Sex nach, wenn man unter Dauerstress steht. Zudem kommt, dass sehr viele Paare nicht in der Lage sind, konstruktiv miteinander zu kommunizieren. Der Streit artet aus und bringt kein lösungsorientiertes Ergebnis mit sich.

Weil viele Paare eine Ehe als Glücksquelle ansehen, die niemals versiegen wird, gilt der Spruch "In guten wie in schlechten Zeiten" für viele Menschen nicht mehr. Schwierige Zeiten werden oftmals nicht gemeinsam durchgestanden. Immer weniger Menschen sind bereit, in beschwerlichen Lebensphasen auch einmal zurückzustecken. Einige sehen dann auch nicht in der Lebenssituation das Problem, sondern im Partner. Wie Dietmar Stiemerling aussagt, kann vielen Ehepaaren nur noch eine Eheberatung helfen, um die Krise als Chance zu sehen.

Gleichzeitig hat sich mit der Erhöhung der Scheidungsrate die Zahl der Menschen erhöht, die in Deutschland alleine leben. Laut Statistischem Bundesamt wohnt jeder fünfte Bürger ohne Mitbewohner oder Partner. Das sind rund 15,9 Millionen Singlehaushalte.