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Ehemalige Mitarbeiter von Wiesenhof äußern sich zum Thema Hygiene

Schon vor Monaten wurde der Wiesenhof aufgrund mangelnder Hygienezustände kritisiert. Mitarbeiter, die bei diesem Unternehmen tätig waren, haben sich gegenüber der "Welt Online" zum Thema Hygiene geäußert.

Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte aus, dass teilweise bis zu einhundert Kilogramm Brustfleisch auf dem Boden lag. Diese Fleischstücke fielen bei der Zerlegung herunter, da die Arbeiter so schnell wie möglich arbeiten müssen. Dieser Mitarbeiter hat diese Situation der Schicht- und Produktionsleitung gemeldet, die jedoch eher mit den Schultern zuckten, da sie nicht wüssten, was sie dagegen machen sollten. Das Hühnerfleisch, das auf dem Boden lag, sollte dennoch weiterverarbeitet werden.

Nach außen hin präsentiert sich die Geflügelproduktion stets sehr sauber und kontrolliert. Doch vor Monaten geriet der Wiesenhof wegen seiner mangelnden Hygiene in die Schlagzeilen. Wiesenhof gehört zur PHW-Gruppe, die laut eigenen Angaben wöchentlich rund 4,5 Millionen Hähnchen schlachtet. Der Jahresumsatz beläuft sich auf circa 2 Milliarden Euro.

Ein Schlachthof in der Nähe von Magdeburg wurde von der Aufsichtsbehörde im März vorübergehend geschlossen. Der Grund für diese drastische Maßnahme waren die Hygienezustände an diesem Standort. Mehrere ehemalige Mitarbeiter berichteten, dass beim Verarbeitungsprozess immer wieder Fleisch auf den Boden fiel und trotzdem weiterverarbeitet wurde.

Wie Kirsten Hengsdorff aussagte, ebenso eine ehemalige Mitarbeiterin, trägt die Geschwindigkeit der Produktion Schuld an diesen Zuständen. Die Angestellten sind kaum in der Lage, die Hühner in diesem Tempo zu verarbeiten und einzutüten. Das Tempo wird vom Band bestimmt, auf dem die geschlachteten Hühner liegen.

Zudem ist der niedrige Lohn mit ein Grund dafür, dass die Hygiene von Mitarbeitern vernachlässigt wird. Der Brutto-Stundenlohn beläuft sich momentan zwischen 7,50 Euro und 7,60 Euro. Arbeitet ein Angestellter schneller und kann somit mehr Hühner in einer Zeiteinheit verarbeiten, hat er die Möglichkeit auf einen Stundenlohn von acht Euro brutto zu kommen.

Wiesenhof bestreitet es, dass die Mitarbeiter durch schnellere Arbeit ihren Lohn erhöhen könnten. Zudem ließ das Unternehmen die Vorarbeiter unterschreiben, dass die Angestellten niemals die Anweisung erhalten hätten, das Fleisch, das auf dem Boden lag, weiterzuverarbeiten. Zeit- und Arbeitsdruck könnten kein Grund dafür sein, dass Mitarbeiter die Vorschriften zur Hygiene vernachlässigen, sagte Wiesenhof. Das Unternehmen wies auf die vierzig Betriebskontrollen hin, die 2011 und 2012 stattgefunden haben.

Da die Abnahmepreise aufgrund der öffentlichen Kritiken niedriger wurden und die Einkaufskosten für die Tiere hoch seien, drosselte der Betrieb in Möckern die Anzahl der Produktion. Nun werden statt 160 000 Hühner täglich 140 000 Tiere geschlachtet und verarbeitet.

Ehemalige Mitarbeiter sagten ebenfalls aus, dass die Haltbarkeits-Etiketten der verarbeiteten Tiere abgemacht und durch neue ersetzt wurden. Auch dieser Vorwurf wird von Wiesenhof bestritten.

Die Fleischwaren der Geflügelproduktion werden an Supermärkte, aber auch an Kentucky Fried Chicken und andere Großabnehmer verkauft. Kentucky Fried Chicken sagte aus, dass die Fast-Food-Kette selbst regelmäßige Kontrollen durchführe, die nach strengeren Kriterien als vorgeschrieben verlaufen.

Wie Verbraucher auf die zunehmenden Lebensmittelskandale reagieren, zeigt das Ergebnis einer Umfrage. Achtzig Prozent der Teilnehmer würden sogar mehr Geld für Fleisch bezahlen, wenn sie dafür einwandfreie Ware bekämen. 89 Prozent sind der Meinung, dass die Kontrollen für Lebensmittelbetriebe strenger sein müssten.

Einstellungen zu Lebensmitteln und Lebensmittelskandalen