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Digitale Demenz – Gesundheitsgefahr digitale Medien

Der Hirnforscher und Psychiater Prof. Dr. Manfred Spitzer sprach gestern in der NDR-Talkshow über die negativen Auswirkungen der digitalen Medien. Die neue Volkskrankheit könnte digitale Demenz lauten.

Ein Leben ohne digitale Medien – für die meisten Menschen in Deutschland ist das unvorstellbar geworden. Vor allem junge Leute sind auf Schritt und Tritt mittels Smartphones, Tablet PCs und ihren Computer im eigenen Zimmer mit dem Internet verbunden. Firmen, die ohne digitale Medien arbeiten, sind rar gesät, wenn es sie überhaupt noch gibt.

Prof. Dr. Manfred Spitzer beschäftigt sich mit dem Lernen und konnte eher Erschreckendes berichten. Die Gehirnleistung nimmt durch die regelmäßige Nutzung des World Wide Webs ab. Wer beispielsweise Informationen über Google nachschlägt, wird sich dieses gelesene Wissen nicht merken. Der Grund: Das Gehirn schaltet einen Gang zurück, da unterbewusst klar ist, dass jederzeit dieses Information erneut gegooglet werden kann.

Das Gedächtnis wird somit von den digitalen Medien beeinträchtigt. Der Begriff "Digitale Demenz" stammt von Ärzten aus Korea. Sie haben Menschen beobachtet, die rund zwanzig Jahre alt waren und viel Zeit am Computer und im Internet verbrachten. Die Resultate dieser Zeitgestaltung waren Abgeschlagenheit, Motivationslosigkeit, Konzentrationsstörungen und reduzierte Merkfähigkeit. Zudem fiel es diesen Menschen schwerer, einen Text zu lesen.

Ein weiteres Problem der häufigen Nutzung von digitalen Medien ist die fehlende soziale Komponente. Mittlerweile verbringen junge Leute in Deutschland im Durchschnitt sieben Stunden täglich vor dem Computer.

Die sozialen Kontakte außerhalb der virtuellen Welt nehmen ab.

Wer zu viel Zeit vor dem PC verbringt, hemmt langfristig die Bildung des Gehirns. Das bedeutet, das Gehirn wird nicht mehr präsize funktionieren. Die Folge ist eine verfrühte Demenz. In den folgenden Jahrzehnten wird somit die digitale Demenz stark zunehmen. Das wird auch deutlich, wenn man sich die Zahlen des Berichtes der Bundessuchtbeauftragten anschaut: 500 000 Computer- und Internetsüchtige gibt es bereits in Deutschland und für Internetsucht gefährdete Menschen gilt dieselbe Zahl.

Prof. Dr. Manfred Spitzer rät dringend dazu, sich einen anderen, gesünderen Umgang mit den digitalen Medien anzugewöhnen. Auch in Unternehmen müsse sich umgestellt werden, um die Gesundheit der Mitarbeiter langfristig nicht zu gefährden.