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Zehn Jahre Bologna-Reform – Niederlage oder Erfolg?

Der 15. August 2002 war der Beginn der Bologna-Reform. Studenten sollten internationaler, strukturierter und schneller studieren können. Der Chef der HRK übt starke Kritik an dieser Reform, während die Bildungsministerin einen Erfolg darin sieht.

Horst Hippler, der Chef der HRK (Hochschulrektorenkonferenz), zieht Bilanz. Er übte von Anfang an Kritik an der Reform und sagt heute aus, dass es ein Fehler sei, junge Menschen schneller studieren zu lassen. Vor zehn Jahren stellten die Hochschulen auf Master und Bachelor um. Laut Hippler hat diese Reform mehr Schaden als Nutzen gebracht. Die Universitäten müssten höhere Leistungen bringen, als eine Ausbildung. Der HRK-Chef ist der Meinung, das genau das nicht geschieht. Die Studierenden können in einer kurzen Zeit nicht zu Persönlichkeiten ausgebildet werden. Sie bleiben lediglich Absolventen, doch die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten. Dazu müsste den Studenten jedoch mehr Zeit eingeräumt werden. Weiterhin sieht er das damalige Versprechen nicht eingelöst, dass Studenten leichter in Ausland gehen könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die hohe Quote der Studienabbrüche. Etwa 28 Prozent der Bachelor Studenten geben frühzeitig auf und brechen ihr Studium ab. Studenten kritisieren die Schwierigkeiten bei der Leistungsanerkennung und den engen Zeitplan. Hippler ist der Ansicht, dass die Möglichkeit gegeben sein müsste, unabhängiger oder länger zu studieren.

Als Erfolg sieht die Bildungsministerin Annette Schavan die Bologna-Reform an. Laut ihrer Meinung kämen die Bachelor-Absolventen sehr gut auf dem Arbeitsmarkt zurecht. Studenten, die den Master machen möchten, würden in der Regel ihren gewünschten Studienplatz finden und sie sieht die Ziele der Internationalität erfüllt. Sie nennt die Reform auch deshalb eine Erfolgsgeschichte, da lediglich rund drei Prozent der Absolventen nach dem Studium keine Arbeit finden oder eine Beschäftigung, die unter ihrer Qualifikation liegt.