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Besuch im esoterischen Supermarkt. Teil 5

Bild von Dr. Rainer Strzolka

Es war ein aufregender Tag. Nicht, daß ich die Worte des alten Zanderfon bezweifelte – es war das klare Licht, das Quireidur, welches aus ihm sprach, Er mußte in einer clandestinen Beziehung zu den Kristallwesen, den Sano-No-Lan stehen, doch es mußte ja die Tarnung, die Na-Ariana, gewahrt bleiben. Es war verständlich, dass Zanderfon seine Geheimnisse bewahren wollte, zunächst auch vor mir, bevor ich das Initiationsritual nicht durchfahren hatte. Für das Ritual kaufte ich große Mengen Datura, auf deren Packungen zu lesen stand: „Its usage is traditional in certain American ethic groups who use it during initiation rituals as well as in a beverage, the "wysoccan" during the rites of passage into adulthood”

Nichts durfte auffallen von unserem geheimen Plan. Ich fühlte mich diesem geheimen Plan der Planetenbeauftragung schon zugehörig, obwohl ich noch nicht mal die ersten 10.000 € an Zanderfon überwiesen hatte. Das klingt zunächst nach viel Geld, aber Zanderfon war nicht unverschämt, was den energetischen Ausgleich für sein geheimes Wissen anging. Es war eine große Verschwörung zur Rettung des ganzen Universums, an der ich mit Hilfe der Kurse Zanderfons teilnehmen durfte! Das war großartig. Das war mächtig. Das war esoterisch! Da war kein Geld zu teuer, und es war mir, ehrlich gesagt, lieber, ich würde meine Ersparnisse dem Zanderfon überschreiben als Politikern, die all meine Ersparnisse ohne mit der Wimper zu zucken, an sonderbare Länder verschenken würden. Gerade linke Politiker sind der Ansicht, dass die Weltrevolution wohl schneller käme, wenn alle Länder verarmen würden.

Was waren schon Ersparnisse? Es galt hier mit Fülle um sich zu werfen. Es ging immerhin um die Rettung von Syrhimin, Qi'Ibachas, Elok'Kashiel, P'Bachilas und Elotiel und die Zähmung der widerspenstigen und zugleich schlafenden Planeten. Ich wirkte mit an einem contraplanetaren Mysterium ohne Gleichen. Es galt also, all mein Geld Zanderfon zu schenken, damit er mir beibrachte, wie man Planeten rettet. Luzide war für mich nun baldwissenden Novizen auch, daß bei solch einer wichtigen Aufgabe kein Nadelgeld übrig war für Büttenpapier mit Wasserzeichen. Immerhin: Jetzt wusste ich dank des Altpapiers aus China, wie Engel aussehen und Krafttiere. Es ging nicht wirklich um Papiere, es ging um Navaralalt. Ich ließ mir das Wort genüsslich auf der Zunge zergehen: Navaralalt. Was für ein schönes Wort. Es gibt Menschen, die finden, dass Bavarium oder Miracoli schöne Namen seien. Ich finde Navaralalt viel schöner. Es klingt so tief.

Arana Nuriella Zanderfon bot mir in einer Neumondnacht mit Tiakyhachl im Sternzeichen Reiyargurlas flüsternd per Telefon an, mich gegen einen kleinen energetischen Ausgleich im Geheimwissen auszubilden, welches nur Er und einige andere wenige Auserwählte besäßen, die auch seine Kurse besucht hätten. Es war im übrigen absolut verboten, „Telefon“ zu sagen. Das Wort gehörte zu den esoterischen No-Gos, die ganze Kraftfelder zerstören konnten.

Ich war gehalten, dass „Telefon“ „Astrolantis“ zu nennen. Es dauerte ein wenig, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Die Esoteriker hatten bisweilen eine sonderbare Sprache, sich auszudrücken. Sie sagten nicht nur „Astrolantis“ statt „Telefon“, sondern auch „Kilorien“ statt „Kalorien“. Das Wort „Kalorien“ kam bei Ihnen praktisch nicht vor, weil sie sich niemals mit irgendetwas ernährten, was einen Nährwert hatte, der oberhalb des Nichts lag.

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Teil 6: http://www.onlinepresse.info/node/2669381

[wird fortgesetzt]