Alle (digitale) Welt spricht derzeit von Social-Media-Kompetenz – aber was ist das und wie sieht das in der Praxis aus? Tatsache ist, dass der Social-Media-Worker der Neuzeit oft zum Kontaktsammler und Informationsdistributor geworden ist, der vielfach schnell und unreflektiert Kontakte ohne ausreichende Prüfung eingeht, nur um seinen eigenen Wirkungskreis zu vergrößern. Mediale Quantitäten sind für die Informationsverbreitung sicherlich sehr wichtig, müssen aber trotzdem mit Vorsicht behandelt werden.
Beispiel: Kollege ABC schickt mir über ein großes Social Network eine private Nachricht, in der in etwa steht, dass er Herrn DEF aufgrund seiner rechten Umtriebe gerade aus seinem Netzwerk entfernt hat und rät mir dasselbe zu tun. Treffer! Der Mann befindet sich tatsächlich auf meiner persönlichen „Freundesliste“ und verbreitet dort rechte Parolen. Ich schaue mir das Profil an. In seinem Netzwerk befinden sich andere ähnliche Dummköpfe, die seine Kommentare mit mehr als zweifelhaften und politisch absolut unkorrekten Worten abfeiern. In diesen Momenten fühle ich mich plötzlich nicht mehr so sozial medienkompetent, wie ich es gerne hätte. Dabei wage ich zu behaupten, diesen Flash kennt wohl jeder, der sich auf das Wagnis Medien 2.0 eingelassen hat. Die Grenze zwischen Wissen, Vermutung und Spekulation, zwischen persönlichen Sympathien und Animositäten könnte fließender nicht sein.
Aber wie will man Social Media effektiv nutzen, wenn man nur unter Bekannten bleibt? Wenn das persönliche Netzwerk penibel genau abgestimmt bleibt auf personelle Fakten? Wie kann man sein Personal Branding nach vorne bringen, ohne ein Risiko einzugehen? Klare Antwort: gar nicht! Die Kehrseite immer schneller werdender Vernetzung heißt „fehlende Gründlichkeit“. Also bleibt bei allem Wagnis und aller Offenheit in unserem Job nur eine Konsequenz: „Do it - but proof it!“
Oder um Anton Bruckner zu zitieren: „Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“
Ein sehr guter Beitrag, der
14. Oktober 2009 - 22:45 – DenkerEin sehr guter Beitrag, der das Problem der Social-Netzwerke aufzeigt. Ich kenne das nur zu gut, jeder möchte bei mir "Freund" sein und sich einfach nur an meinen Erfolg "anhängen", es kommen dann Aussagen wie "Ich kenne xxx und daher bin ich auch toll". Dann bekommt man soviele Emails mit Spam, Werbung und unseriösen möchte-gern-Verdienst-Angeboten, daß wegen Überfüllung des Postfaches man nicht mal mehr dazu kommt, mit seinen richtigen Kontakten zu korrespondieren und zeitnah eine Antwort zu schreiben. Und dann ist dann noch das Problem der Profil-Änderungen. Wenn jemand eine Anfrage stellt, ist das Profil oft sauber und interessant, schaut man jedoch 4 Wochen später nochmal vorbei ist irgendein "Unsinn" drauf, den kein Mensch braucht. Und so einer möchte sich mit mir verbinden?
Ich bin daher dran, viele meiner Social-Netzwerk Profile "auszumisten", übrig bleibt eine sehr kleine Schar von Verbindungen, die ist dafür dann aber fruchtbar.
Das Wort "Freunde" finde ich sowieso fehl am Platz, denn jeder Mensch hat nur sehr wenige "wirkliche" Freunde, alles andere sind Bekannte und von mir aus auch Nutznieser. Um mit mir "Freund" zu werden braucht es eine lange Zeit persönlichen Kontaktes und der Sicherheit, daß ich mich auf die andere Person in jeder Lebenslage verlassen kann. Im realen Leben habe ich daher lieber weniger "Freunde", dafür aber eine Unmenge an Bekannten.
Ein Bekannter muß sich schon sehr lange bewähren, bis ich ihn tatsächlich als meinen Freund benennen kann.
Ich finde es immer lustig, wenn jemand zu mir kommt und sagt er hätte im Internet 1000 Freunde. Auf die Frage, wen er wirklich persönlich kennt, schon mal telefoniert oder ein tiefgreifendes Gespräch geführt hat wird es meistens sehr sehr still. Ach neee... *g
Im übrigen bevorzuge ich noch immer das "alte" Telefon, mit telefonieren kann einfach besser und direkter besprochen werden, was das Anliegen ist, und man kennt sich auch wirklich...