Krise ist woanders
Heute öffnete die Rheingolf (größte Golf-Publikumsmesse in Europa) in Köln ihre Pforten. Man hat den Eindruck, dass die Gänge etwas breiter und die Ausstellungflächen etwas ungeschmückter sind als sie es früher waren. Auch wurde der VIP-Raum geschickt vergrößert, um freistehende Flächen zu kaschieren.
Das stört die Besucher aber nicht. Im Gegenteil, Golfer treffen sich hier unter Gelichgesinnten und testen Schläger, Bälle, Jacken und Schuhe, ebenso ihren Schwung per Videoanalyse als auch in Spiel mit dem Indoor-Simulator. Reges Interesse finden die Vorträge über das Putten und den Aufbau des Schwungs. Auch „alte Hasen“ lassen sich gerne davon überzeugen wie man denn nun den Putter richtig zum Ziel führt (in 3Drittel-Takt: 1 Aufschwung, 2 Treffmoment, 3 Durchschwung zum Ziel – die meisten Golfer vergessen Nr3) und wie der Hesse so schön einfach formuliert: „lass’n Kopp unne“.
Bei einem Rundgang der recht gut besuchten Messehalle 8, trifft man auch auf Klischees: da sind laute Mitte-Vierzigerinnen, die bei dem Anblick des Stands der Insel Sylt einen Entzückungsschrei loslassen, der klingt als jemand „FeuerFeuer“ rufen würde. Daneben Golfer in den obligatorischen karierten Hosen, in gemusterten Strümpfen, Kappen tragend, Polohemdenverkäuferinnen, die bei potentiellen Kunden viel zu enge – nicht sitzende Hemden – bestaunen, und natürlich die ehrgeizigen Golfer, die Schläger nach Schläger testen. Hier gibt es eine große Auswahl an Herstellern, die das sogenannte „Club-Fitting“ betreiben. Auch eine Firma, die Golfbälle für jeden Schlagtyp findet, ist dabei - schlagen Sie nach links (hook), dann nehmen Sie Ball X, nach rechts (Slice) einen Ball Y. Was war es doch früher so einfach, als es einen Ball gab den man gerade aus schlagen musste und die Schlägerauswahl begrenzt war.
Wie immer versuchen Golfer eigene Unzulänglichkeiten am Material auszumachen und kaufen neue Schläger, Putter, Schuhe etc. damit das Handicap eventuell sinken kann. Man hört ein „oh, mit dem Schläger treffe ich besser“ und ein „Mensch, der Kopf ist sooo groß, da kann man gar nicht den Ball verfehlen“, „dank Modell ZP toppe ich nicht mehr“ usw…usw…es ist eine amüsante Messe. Besucht von freundlichen Menschen, die die Liebe zu dem kleinen weißen Ball vereint. Auch für den Golf-Nachwuchs wird an einem Extra-Stand gesorgt, mit kleinen Schlägern, kleinen Taschen, Extra-Golftraining etc.
„Emotions made in Germany“, so der Wahlspruch für die Bewerbung für den Ryder Cup in Deutschland 2018 – Bernhard Langer lässt grüßen. Hier heißt es Sprüche für die Werbetrommel finden und mitmachen.
Wo der Ball am besten geschlagen wird, kann man natürlich auch auf der Messe sehen. Vom Schwung her in der Mitte, vom Ort her, je nach Geschmack und Geldbeutel. So reihen sich wunderschöne 4 und 5 Sterne Hotels wie eine Perlenkette aneinander und buhlen um die Kundschaft. Die Entscheidung zwischen Hoch im Norden und den Alpen, Übersee, oder neben der eigenen Finca (die man auch auf der Messe kaufen kann) – für jeden Golfer findet sich das richtige Ziel.
Spass macht auch der Schlag auf eine schwimmende Insel, hier muss man aus rund 10-15 Metern Entfernung ein 1qm großes Green treffen- gar nicht so einfach. Der Golfer kann sich auf der Messe 3 Tage lang amüsieren, flanieren, einen Happen essen, fachsimpeln, geniessen, Geld ausgeben und sich auf die Saison freuen. Wie gesagt, die Rheingolf ist eine schöne Messe.
Rheingolf, Messe Köln, Hall 8, Open: 26.-28.März, 10.00-18.00h
Und ich dachte schon, nur
27. März 2010 - 19:15 – Christine (geprüft von der Redaktion)Und ich dachte schon, nur ich hätte den Eindruck gehabt, dass die Gänge breiter wären und weniger Aussteller vertreten wären.
Soeben zurück gekehrt mit herzlich wenig neuen Eindrücken und auch zwei ziemlich enttäuschten normalerweise begeisterten Nachwuchsgolfern. Nachdem wir zuletzt vor drei Jahren auf der Rheingolf waren hatten wir uns für heute nebst Schlägerkauf und Schuhkauf auch etliche Inspirationen für bevorstehende Reisen erhofft.
Leider war das Angebot relativ uncharismatisch und wenig ansprechend. Ein Lichtblick der optisch ansprechende udn personell gut besetzte Stand eines Düsseldorfer auf Schiffsreisen spezialisierten Reisebüros...nur schade, dass diesbezüglich nach etlichen Kreuzfahrten kein Informationsbedarf unsererseits bestand.
Konnten die Kinder in den jahren zuvor noch häufig putten und wurden als Kunden von Morgen freundlichst hofiert, wurden sie heute von blasierten Verkäufern schlichtweg ignoriert, trotz des Schlägersatzes in der Hand mit erklärtem Kaufwunsch...tja, einige ältere Herren sahen wohl solventer aus...?! Die Taylor-Made Schläger haben wir dann nicht gekauft, aus Trotz, wenn ein Junge für seinen Traum sich 500 euro zusammenspart, dann muss man nicht in einem solchen Ambiente kaufen...die Kinder ( mit gerade 11 Jahren immerhin ein Hcp von 35 ) wurden auf dem "Testgelände" einfach beiseite geschoben und wären wir nicht schon seit etlichen jahren Anhänger des Golfsports...auf dieser Messe wären wir es garantiert niemals geworden.
Ansonsten wurden allerorts fleissig um Spenden gebeten. Das Angebot darüberhinaus überschaubar.
Ich verbessere daher mal Ihren obigen ansonsten sehr gelungenen Bericht: die Rheingolf war mal eine sehr schöne Messe... momentan ist sie dieses nicht!
Hallo Christine, danke für
15. April 2010 - 7:51 – marcusHallo Christine, danke für Deinen Kommentar. Ich gebe Dir Recht, die Messe bringt wenig Neues, dennoch mag ich sie. Ich bin sehr oft auf Messen unterwegs, Hektik, unfreundliche Menschen, Gehetze usw. ist da an der Tagesordnung - daher ist mir die Rheingolf aufgefallen, dort war alles etwas gemütlicher und die Menschen entspannter ;-)
....habe noch ein Jugendset nahezu unbenutzt incl Schuhe, Bag und Wagen von meinem Sohn hier.....günstig abzugeben....Gruss gm