Der Aufstand der Rebellen scheint ein Ende genommen zu haben: Gaddafi und sein Regime haben den Kampf verloren.
Die Freude unter den Aufständischen ist mehr als groß, denn ihnen ist der Sturz Gaddafis nach monatelangen Kämpfen gelungen. Tripolis befand sich in den frühen Stunden des heutigen Montags in den Händen der Rebellen. Nur noch etwa zwanzig Prozent der Stadt werden von Truppen Gaddafis kontrolliert, so ein Sprecher von al-Dschasira. Freudenschüsse, Feuerwerk und Jubelrufe unterstrichen das Ende einer über vierzigjährigen Herrschaft der brutalen Art. Der Nationale Übergangsrat rief allerdings zu Verantwortungsbewusstsein auf. Mahmud Dschibril, einer der Vertreter, legte den Gegnern des Gaddafi-Regimes nahe, dass diese nun anbrechende Zeit des Übergangs eine Chance sei, das vorzuleben, wofür gekämpft wurde. Racheaktionen könnten nicht zur Demokratie führen, deshalb soll weder geplündert noch Gefangene getötet werden.
Zwei von Gaddafis Söhnen sind festgenommen worden, der Dritte steht unter Hausarrest. Wo sich allerdings Muammar al-Gaddafi aufhält, ist noch nicht bekannt. Der Übergangsrat geht nicht davon aus, dass er sich noch in Tripolis befindet. Der Herrscher hatte am Sonntagabend zum letzten Mal seine Anhänger aufgefordert, auf die Straßen zu gehen, um "Ratten und Verräter zu bekämpfen". Die Audiobotschaft brach abrupt ab. Warum die Stimme Gaddafis abbrach, konnte noch nicht erklärt werden. Ebenfalls ist nicht bekannt, von welchem Ort aus er gesprochen hat.
Moussa Ibrahim, der Sprecher Gaddafis, ließ zuvor verlauten, dass die Regierung zu Verhandlungen bereit sei. Die Aufständischen blieben jedoch bei ihrer Forderung und wollten sich auf keine Verhandlungen einlassen. Weiterhin bestanden sie darauf, dass Gaddafi das Land zu verlassen hat. Safi al-Islam, einer der Söhne Gaddafis, soll nach Den Haag ausgeliefert werden. Wie die Auslieferung vonstatten gehen soll, wird noch am heutigen Montag besprochen. Libyen hat allerdings das Recht, den Sohn und Abdullah Senussi, Geheimdienstchef und Schwager Gaddafis sowie Gaddafi selbst im eigenen Land vor Gericht zu stellen. So wie es aussieht, könnte der Nationale Übergangsrat davon Gebrauch machen.