Der FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ist am Samstag im Alter von 82 Jahren gestorben. "Fassungslos und tief bestürzt habe ich heute vom Tode unseres Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff erfahren. Wir sind tief traurig", erklärte der FDP-Bundesvorsitzende, Außenminister Guido Westerwelle. Der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolfgang Gerhardt, charakterisierte den Tod von Lambsdorff als "großen Verlust eines überragenden Mannes".

"Die Liberalen verlieren mit Otto Graf Lambsdorff einen ihrer wichtigsten Gestalter und Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte", erklärte Westerwelle. "Deutschland verliert einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der mit seinem Kompass der sozialen Marktwirtschaft den Weg wies. Seine programmatische Klarheit und kantige Unerschütterlichkeit waren Wegweiser für unser Land. Sein marktwirtschaftliches Engagement und sein Engagement für die Menschenrechte weltweit haben über ein halbes Jahrhundert hinweg der FDP wesentlich zu ihrem Profil verholfen. Otto Graf Lambsdorffs Verdienste für die Sache der Freiheit haben die Bundesrepublik entscheidend mit geprägt.
Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei seiner Familie. In diesen schweren Stunden denken alle Liberalen, aber auch ich ganz persönlich, zuallererst an seine Angehörigen und insbesondere an seine Frau. Die liberale Familie verliert mit Otto Graf Lambsdorff ein Vorbild. Wir verneigen uns in tiefer Trauer."
Gerhardt: Verlust eines überragenden Mannes
Wolfgang Gerhardt, Otto Graf Lambsdorffs Nachfolger im Amt des Stiftungsvorsitzenden, charakterisierte den Tod von Lambsdorff als "großen Verlust eines überragenden Mannes". "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen", sagte Gerhardt.
Nachdem Lambsdorff den Parteivorsitz der FDP an Klaus Kinkel übergeben hatte und zum Ehrenvorsitzenden gewählt worden war, hatte Graf Lambsdorff die Leitung der liberalen Stiftung übernommen. Als Bundeswirtschaftsminister war es Otto Graf Lambsdorff gelungen, das Format von Ludwig Erhard und Karl Schiller zu erreichen, an der Spitze der Stiftung knüpfte er an die Tätigkeit großer Liberaler wie Lord Ralf Dahrendorf und Wolfgang Mischnick an.
Schon vor seiner Zeit als Wirtschaftsminister in den 70er Jahren hatte sich Otto Graf Lambsdorff in Stiftungsgremien engagiert, von 1977 bis 1979 stand er dem Kuratorium vor. Lambsdorff aufgrund seiner Zeit als Wirtschaftsminister und durchaus pointierter Einlassung zur marktwirtschaftlichen Erneuerung des Landes („Lambsdorff-Papier“ von 1982) auf einen Nur-Wirtschaftsliberalismus zu reduzieren, wäre verfehlt.
Der große Liberale setzte sich auch als Stiftungsvorstand leidenschaftlich für gesellschaftspolitische Freiheiten und die universelle Gültigkeit von Menschenrechten ein – auch gegenüber China. Sein konsequentes Eintreten für die Rechte des tibetischen Volkes führte zur Schließung des Stiftungsbüros in Peking, mit der Verhandlungsführung über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern verschaffte er sich weltweit Anerkennung. Vor allem in der Schlussphase seiner Amtszeit positionierte Lambsdorff die Stiftung als Vordenkerin in der Föderalismusdebatte. Darüber hinaus fiel in seine Amtszeit der Umzug der Stiftung von Königswinter nach Potsdam.